Berlin : Zitadelle Spandau: Hauptstadt der Fledermäuse zum Anflug gerüstet

R. W. During / J. Schütz

Die Hauptstadt Berlin bereitet sich auf ein tierisches Spektakel der besonderen Art vor: Zum bereits fünften Europäischen Fest der Fledermäuse werden am ersten Septemberwochenende wieder Tausende Besucher in der Spandauer Zitadelle erwartet. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat die Patenschaft für das Festival übernommen. Auf der Spandauer Zitadelle beginnt die Fledermaus-Saison bereits am Freitag. Mit einer Population von über 10 000 Tieren sind die alten Gemäuer eines der wichtigsten Winterquartiere in Europa. Die 21 in Deutschland lebenden Fledermausarten gehörten zu den am meisten gefährdeten Säugetieren in Europa, sagte der Minister am Dienstag in Berlin. Europaweit sind 31 Fledermausarten bekannt. Die Tiere müssten geschützt werden, appellierte Trittin, der als Zeichen seiner Sympathie mit einer Zwergfledermaus in der Hand posierte.

Bereits dieser Tage wird mit dem Eintreffen der ersten "Flattermänner" gerechnet, die im Spätsommer und Herbst ihre späteren Winterschlafstätten erkunden. Durch den kühlen und feuchten Frühling sind die Jungtiere erst jetzt selbstständig geworden. Deshalb hat sich der Einflug in diesem Jahr um rund eine Woche verspätet.

Berlin gilt als Hauptstadt der europäischen Fledermäuse. Nach Angaben des Vereins Vespertilio, der sich um den Schutz der Tiere kümmert, sind hier mittlerweile 17 Arten beheimatet. Die Berliner Fledermausfreunde haben sogar einen Fledermausnotdienst eingerichtet. "Jeden Tag werden jetzt verletzte Tiere gemeldet", sagt Karin Kallasch vom Nottelefon. Auch Exemplare, die sich in Gardinen verfangen haben, werden abgeholt. In der Stadt Berlin mit ihren vielen Grünflächen finden die Tiere gute Bedingungen. Die Naturschützer um Carsten Kallasch freuen sich, dass im Vorjahr eine Neu-Berlinerin zu den bis dato registrierten 16 Arten hinzuflatterte: Die Nord-Fledermaus. Dieses Exemplar wurde bislang in Deutschland nur in Gebirgsregionen und deren Ausläufern gesichtet.

Am Freitag beginnen nun wieder die beliebten Führungen zu den Fledermausquartieren, bei denen die Tiere aus nächster Nähe beobachtet werden können. Sie finden von August bis September freitags und sonnabends um 20 und 21 Uhr, im Oktober samstags bereits um 19 und 20 Uhr statt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, sind Anmeldungen unter der Rufnummer 79 70 62 87 erforderlich.

Als Abschlussveranstaltung der European Bat Night findet am ersten Septemberwochenende auf der Zitadelle das Fledermausfest statt, zu dem Teilnehmer aus elf Bundesländern erwartet werden. Da die Fledermäuse sich nicht an Staatsgrenzen halten, muss bei der Erhaltung der Tiere auch international kooperiert werden. Seit nunmehr zehn Jahren gibt es laut Trittin das Abkommen Eurobats zum Fledermausschutz. 2001 ist zudem das internationale Jahr der Fledermäuse.

Noch schwirren die Insektenfresser in geschicktem Zickzack-Flug in Parks und Wäldern. Ihre Beute orten sie dabei per Echolot. Die Weibchen leben in Kolonien. Anfang Juni bringen sie ihren Nachwuchs zur Welt. Doch die Nachtschwärmer sind nicht winterhart, da sie in den kalten Monaten nicht genügend Nahrung finden. Die Tiere hängen sich gern in Nischen oder an Dächer. Wie Zugvögel können die fliegenden Säuger Distanzen von bis zu 20 000 Kilometern bewältigen.

Am 1. September ab 11 Uhr sowie am 2. September ab 10 Uhr gibt es auf der Zitadelle ein umfangreiches Programm mit Informationen, Ausstellungen, Führungen, Vorträgen und Lernspielen für Kinder. Im Schauraum können echte Vampire bestaunt werden und in einem Tropenzelt gibt es neben "fliegenden Hunden"" auch "singende Frösche" und "fauchende Schaben", kündigte Organisator Carsten Kallasch an.

Am Samstagabend gibt es eine "Tropennacht" mit musikalischem Begleitprogramm und Führungen zu den Fledermausquartieren. Etliche Arten nutzen übrigens als Nistplatz von Menschen bewohnte Häuser. "Wer alte Gebäude saniert oder auch neu baut, der kann viel für den Schutz dieser kleinen Säugetiere tun", erklärte Minister Trittin. Naturschützer empfehlen Fledermausbretter an Hauswänden oder spezielle Dachgauben. Mit den europaweiten Veranstaltungen soll auch um die Sympathie für die schutzbedürftigen Fledermäuse geworben werden, die lange Zeit völlig zu Unrecht als Genossen Draculas verschrien waren.

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