Berlin : Zitterpartie zur Geburtstagsparty

Am 8. Oktober feiert das Theater am Kurfürstendamm sein 85-jähriges Bestehen. Kurz vor dem Ende?

Christian van Lessen

Für Intendant Martin Woelffer wäre der Kampf um seine Theater ein spannendes Bühnenstück. Er durchlebt seit Monaten diesen Kampf, wie viele Schauspieler seines Hauses, etwa Wolfgang Spier, der gestern 86 Jahre alt wurde. Das Theater am Kurfürstendamm ist fast sein Jahrgang, feiert am 8. Oktober den 85. Geschieht kein Wunder, ist es der letzte Jahrestag.

Zur Zitterpartie ist eine Theaterparty geplant. Noch wird an ein Wunder geglaubt, etliche Weggefährten, neben Spier beispielsweise Curth Flatow, Brigitte Grothum, Bastian Pastewka, Ute Willing, traten gestern wieder demonstrativ auf die Bühne, um für die Theater im Ku’damm-Karree zu streiten. Und dafür, dass sie unter Denkmalschutz gestellt werden. Ein halbes Dutzend Mal sind Woelffer und Bank-Vorstand Tessen von Heydebreck von der Deutschen Bank schon zusammengekommen, um eine Lösung zu finden. Deren Immobilienfonds DB Real Estate will das Ku’damm-Karree zum Shoppingcenter umgestalten und dafür das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm abreißen. Die Mietverträge sind zum Jahresende gekündigt, ein Aufschub bis Mitte 2007 ist vereinbart – und Stillschweigen über die Gespräche.

40 000 Euro zahlt Woelffer für beide Theater im Monat. Er will bleiben. Vielleicht bleibt zumindest die Komödie, weil sie kleiner ist und dem Shopping-Center weniger im Weg steht. „ Wir sprechen über Details“, sagt ein Vertreter der Deutschen Bank. Er verschweigt, dass die Bank unglücklich über die Immobilie ist. Für 210 Millionen Euro wurde sie 2002 gekauft, im letzten September betrug der Verkehrswert 157 Millionen Euro, jetzt soll er bei 130 Millionen liegen. Ein Kaufinteressent bestätigt, er habe 80 Millionen geboten. Fehlende Attraktivität und Leerstand schlagen zu Buche. Nach Auskunft der Bank gibt es derzeit keine Kaufangebote. Immobilienexperten bezweifeln, dass ein Shoppingcenter die Rettung ist. Ein Investor entwarf Pläne, die Theater zu retten, die Vorderfront des Karrees abzureißen, einen Vorplatz anzulegen, das Hochhaus besser herauszustellen. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler rechnet mit dem Umbau zum Shoppingcenter. Und damit, dass mit der Bank ein städtebaulicher Vertrag über mindestens 20 Jahre Theaternutzung mit Ku’damm-Zugang vereinbart wird. Ein Theater sei besser als gar keins.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben