• Zivilcourage und ein kleines Wunder in Berlin: Die Überraschung nach dem Taschendiebstahl

Zivilcourage und ein kleines Wunder in Berlin : Die Überraschung nach dem Taschendiebstahl

Renate K.s Tasche wird geklaut, doch ein junger Mann zeigt Zivilcourage. Eine unwahrscheinliche Geschichte aus Charlottenburg.

Nora Noll
Heldenhaft. Zum Dank lädt Renate K. den Taschenretter Chams C. zum Essen ein.
Heldenhaft. Zum Dank lädt Renate K. den Taschenretter Chams C. zum Essen ein.Foto: Renate K.

Es war Freitag, der 24.03., um 17:25 Uhr. Daran erinnert sich Renate K. ganz genau. Die 58-jährige Heilpraktikerin kam gerade von der Arbeit. Sie wollte ihr Fahrrad absperren und nur kurz ihre Tasche in den Fahrradkorb stellen - im nächsten Moment lief ein großer, dunkelblonder Mann damit davon. Sie sah noch, wie er die Treppen zur S-Bahnstation Savignyplatz hoch rannte, dann schrie sie um Hilfe und lief hinterher. "Da war mein ganzes Leben drin, Portemonnaie, Handy, Schlüssel", sagt sie.

Hilfe von zwei Rettern

Die Hilfe kam von einem Mann, der die Verfolgung des Diebes aufnahm, aber auf der letzten Treppenstufe stürzte und den Täter in eine S-Bahn verschwinden sah. Er klopfte noch an die Scheibe, um Fahrgäste auf den Diebstahl aufmerksam zu machen.
Hier kommt der zweite Retter ins Spiel: Chams C. saß in eben dieser Bahn und bemerkte die Aufregung. Der junge Tunesier fragte den Dieb, was denn los sei. Dieser behauptete, man wolle ihm die Tasche stehlen. Aber C. blieb hartnäckig, er hatte in seinem Heimatland Tunesien oft Diebstähle erlebt und wusste, wie er reagieren musste. Bei der nächsten Station schnappte sich C. die Tasche und stieg in die Gegenrichtung ein - zurück zu Renate K., die schon mit der Polizei telefonierte.

Tasche zurück und Freundschaft dazu

"Als er mit meiner Tasche kam sind mir die Tränen runtergelaufen und wir haben uns umarmt", erzählt sie. Zum Dank lud sie den Helden zwei Tage später zum Essen ein. Und hier schließt sich das "wirkliche Wunder", wie K. es nennt: Im Restaurant erzählt ihr der junge Mann von seinen Deutschkursen, seinem Maschinenbaustudium, das bald beginnt, und seinem Umzug in eine neue WG. Als er die Adresse nennt, stellt sich heraus, dass er mit Renate K.s Sohn zusammenzieht.
Seitdem haben sich die beiden noch öfter gesehen. "Man kann sagen, dass sich daraus eine Freundschaft entwickelt hat", sagt K.. Tasche zurück und eine Freundschaft dazu, eine gute Bilanz nach einem Taschendiebstahl. Gegen den nächsten Diebstahl hat sich Renate K. trotzdem gewappnet: "Ich habe meine Dokumente alle kopiert und mir eine Umhängetasche besorgt." Ihr "Leben" will sie nicht noch einmal fast verlieren.

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