ZOB-Neubau : Bahnhof soll schicker werden

Mit dem Bus in die Zukunft: Für 50 Millionen Euro wollen die Betreiber den ZOB neu aufbauen Beim Bezirksamt Charlottenburg stoßen die ehrgeizigen Pläne auf Skepsis.

Klaus Kurpjuweit
ZOB
Harte Warterei: Bislang bietet der ZOB am Messegelände den Fahrgästen nur wenig Komfort - doch das soll sich ändern. -Foto: Uwe Steinert

Große Pläne für den Zentralen Omnibusbahnhof Berlin (ZOB) am Messegelände: Mit rund 50 Millionen Euro soll die in die Jahre gekommene Anlage in ein Schmuckstück verwandelt werden. Im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf stoßen die Pläne allerdings auf große Skepsis.

Die Internationale Omnibusbahnhof Betreibergesellschaft (IOB), ein Tochterunternehmen der BVG, will den Mitte der 60er Jahre errichteten Busbahnhof abreißen lassen und neu bauen. Am Platzrand sollen bis zu dreistöckige Gebäude entstehen – mit Gastronomie, Läden und Büros. Vor allem aber schweben IOB-Geschäftsführer Stefan Christian vielfältige Unterhaltungsangebote vor, wie er dem Tagesspiegel sagte. Die Busse sollen im Innenhof des Komplexes unter einem Glasdach, einem Atrium, halten. Auch eine direkte Zufahrt von der Stadtautobahn durch einen Tunnel zum neuen ZOB sei denkbar, sagte Christian.

Heute ist das ZOB-Angebot bescheiden. Außer einem kleinen Schnellimbiss, einem kahlen Warteraum und mehreren Pavillons von Busunternehmen hat der ZOB nicht viel zu bieten. Christian will den Fahrgästen aber ein Angebot machen, wie es inzwischen auch in Bahnhöfen oder auf Flughäfen üblich ist.

Gespräche mit möglichen Investoren gebe es bereits. Dass sich in der Vergangenheit kein Finanzier finden ließ, der, wie bisher geplant, für etwa fünf Millionen Euro den ZOB „ertüchtigen“ sollte, schreckt Christian nicht. Hier gebe es inzwischen auch einen Interessenten für den Bau von Pavillons und einer Ladenzeile. Christian aber will die große Lösung. Denn „Reisen mit dem Bus haben Zukunft“, ist er überzeugt.

Im vergangenen Jahr zählte der ZOB 3,2 Millionen Passagiere; so viel wie nie zuvor. Weitere Wachstumschancen sieht Christian, weil er damit rechnet, dass die EU in den kommenden Jahren die Restriktionen im Linienfernverkehr mit Bussen aufheben wird, die es in Deutschland bis heute gibt. Linienfernverkehr mit Bussen ist demnach nicht gestattet. So schreibt es noch immer ein Gesetz von 1938 vor, mit dem die Nationalsozialisten damals die Reichsbahn vor Konkurrenz schützen wollten.

Dass von Berlin aus trotzdem ein Linienverkehr aufgebaut werden konnte, ist teilungsbedingt. Wer zu DDR-Zeiten aus West-Berlin nicht fliegen konnte oder wollte, sollte bei der Fahrt durch die DDR eine Alternative zur DDR-Reichsbahn haben. Dabei ist es bis heute geblieben. Allerdings seien seit der Wende im Linienverkehr auch keine neuen Strecken hinzugekommen, sagt Christian. Erforderlich dafür sei immer, dass die Bahn AG dem Verkehr zustimme. Und diese wolle keine Konkurrenz zulassen. Interesse am Linienverkehr mit Bussen von und nach Berlin hätten in Deutschland vor allem Dresden und Leipzig. Internationale Verbindungen mit Bussen seien vor allem in Osteuropa gefragt, sagte Christian.

In München hat man bereits auf die Zukunft des Busverkehrs gesetzt. Dort baut der Hochtief-Konzern einen Zentralen Omnibusbahnhof, der in ein innerstädtisches Dienstleistungs- und Handelszentrum integriert werden soll – mit Einkaufspassage, Büros und einem „Entertainmentbereich“. Betrieben wird der ZOB in München übrigens vom Bayerischen Roten Kreuz.

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