Berlin : Zöllner achten auch auf Wurstbrote

Einfuhrverbot für Geflügel: Die Grenzer an Berlins Flughäfen schauen genau hin – bei Stichproben

Benjamin Hammer

Volker Ringlers Interesse gilt normalerweise dem Drogenschmuggel. Bei ankommenden Passagieren schaut er auf Zigarrettenstangen und Duty-Free-Taschen. Doch seit die Vogelgrippe die Türkei erreicht hat, achtet er verstärkt auf mitgebrachte Lebensmittel. „Ein Wurstbrot ist normalerweise kein Thema. Aber jetzt werden wir da hellwach“, sagt der Leiter der Zollstation am Flughafen Schönefeld. Denn nach einer EU-Richtlinie darf aus vielen Ländern kein Geflügel mehr eingeführt werden. Dazu gehören lebende Tiere, aber auch Fleisch, Eier und Federn. Brote, die mit Geflügelfleisch belegt sind, muss Ringler aus dem Verkehr ziehen.

Bei Kontrollen der Flüge aus der Türkei fanden Zollbeamte gestern keine Geflügelprodukte. Ob das Virus nicht dennoch eingeschleppt wurde, weiß keiner. Denn es könnte auch durch die Kleidung mitgebracht werden. Einen kompletten Schutz gibt es nicht. Alle Passagiere zu durchsuchen würde Stunden dauern. Und auch die Durchsuchung aller Gepäckstücke wäre personell kaum zu bewerkstelligen. Die Zöllner wollen mit Stichproben „abschrecken und den Leuten das Thema Vogelgrippe ins Bewusstsein rufen“, sagt Ringler.

Bodo Wilhelm vom Grenzveterinärdienst am Flughafen Schönefeld allerdings fordert drastischere Ordungsmaßnahmen, wenn jemand Geflügelprodukte illegal einführt. „Da brauchen wir mehr Abschreckung “, sagt der Tierarzt. Seuchenmatten hält er momentan für nicht notwendig, obwohl das Virus auch durch Vogelmist, der an Schuhsohlen haftet, eingeschleppt werden könnte. In den Exkrementen können die Viren mehrere Tage überleben, deshalb diskutieren Sicherheitsbehörden und Verwaltung seit längerem darüber, ob die Reisenden aus den betroffenen Gebieten beim Aussteigen über die desinfizierenden Matten laufen sollten. Bodo Wilhelm hat die Matten sogar vorrätig. Der Aufwand, sie an die verschiedenen Landeplätze der Maschinen zu bringen, sei allerdings sehr hoch, sagt er. Außerdem sei es sinnvoller, die Reisenden beim Einsteigen in den betroffenen Ländern über solche Matten laufen zu lassen.

Auf Berlins größtem Flughafen Tegel landen die meisten Flüge aus der Türkei. Zollamtsleiterin Ingrid Gall sagt, es gebe bei Flügen aus der Türkei ohnehin scharfe Kontrollen. Fleisch- und Milchprodukte aus Nicht-EU-Ländern dürfen schon seit April 2004 nur mit Bescheinigung eines amtlichen Tierarztes eingeführt werden. Im Grunde sei schon dies ein Schutz vor der Vogelgrippe. Die Aufmerksamkeit von Zöllnern und Tierärzten gilt auch Passagieren, die auf dem Weg nach Berlin an anderen Flughäfen umgestiegen sind. In Schönefeld betrifft das vor allem Fluggäste aus Asien, die in Moskau zwischenlanden. In Tegel ist die Kontrolle von Umsteigern schwieriger, weil dort weitaus mehr Flugzeuge ankommen.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit forderte Reisende gestern zu besonderer Achtsamkeit auf. In den von der Vogelgrippe betroffenen Ländern müsse der Kontakt zu Vögeln vermieden werden. Die Reisenden sollten auf den Besuch von Geflügelmärkten verzichten. Für die Berliner Bevölkerung bestehe aber nach wie vor keine direkte Gefahr, weil der Erreger bisher bei keinem Geflügel in der gesamten Europäischen Union nachgewiesen wurde.

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