Zoo-Direktor im Interview : "Diese Tiere wurden nicht geschlachtet“

Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz äußert sich im Interview mit dem Tagesspiegel zu den Vorwürfen von Tierschützern, über Visionen für den Tierpark – und Knuts Seelenheil.

Bernhard Blaszkiewitz Foto: Uwe Steinert
Berliner Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz -Foto: Uwe Steinert

Herr Blaszkiewitz, haben Sie Haustiere?

Silberfischchen. Das sind diese kleinen Urinsekten unter der Badewanne.

Was ist Ihr Lieblingstier?

Das Nashorn. Dann kommen Elefanten, Flusspferde, Seekühe, Schildkröten und Pinguine.

Politiker und Tierschützern werfen Ihnen vor, Sie hätten Tiere ohne vernünftigen Grund getötet. Stimmt das?

Nein, das stimmt nicht.

Sie haben Tiere an den Händler Bode verkauft. Können Sie ausschließen, dass diese Tiere später geschlachtet wurden?

Diese Tiere wurden nicht geschlachtet. Wenn ein Händler 1500 Euro für ein Zwergflusspferd zahlt und es hat nur einen Schlachtwert von 80 Euro, ist so ein Vorwurf wirklich aberwitzig.

Aber Zuchtbuchnachweise belegen, dass 1992 ein Zwergflusspferd und eine Kragenbärfamilie beim Zootierschlachter in Belgien landeten.

Das stimmt nicht. Das Flusspferd war bis 1997 in einem belgischen Zoo. Der Zoo wurde aufgelöst,was danach mit ihm passiert ist, weiß ich nicht. Die Bären habe ich einer Tierhandelsfirma meines ehemaligen und inzwischen verstorbenen Chefs in Gelsenkirchen geschenkt.

Wurden die Zuchtbücher manipuliert?

Nein. Und der Zoo Basel führt sie.

Es sollen aber Hunderte von Tieren verschwunden sein, wirft Ihnen Tierschützer Frank Albrecht von „Peta“ vor.

Kein Tier ist verschwunden. Alles ist in den Jahresberichten belegt. Wir werden von den Naturschutzbehörden und den Amtsveterinären kontrolliert.

Als Zoodirektor sind Sie verantwortlich für die notwendige Tötung von Tieren. Wie sieht eine artgerechte Tötung aus?

Das Tier muss schnell und schmerzlos getötet werden. Bei einer unheilbaren Erkrankung oder nach einem schweren Unfall wird es euthanasiert. Das ist nicht immer schön, aber das Sterben gehört zum täglichen Leben dazu.

1991 sollen Sie als Tierparkdirektor Katzen wegen Ihres hohen Potenzials an Krankheitserregern in einem Stall laut Aussage einer Mitarbeiterin auf den Boden geworfen und erschlagen haben.

Das stimmt nicht. Ich habe sie artgerecht getötet und bin nach wie vor der Meinung, dort keine verwilderten Katzen zu dulden. Natürlich habe ich eine emotionale Bindung zu Tieren, aber ich muss sachkundige Entscheidungen treffen.

Sie haben den Katzen das Genick geborchen. Warum wurden sie nicht vom Tierarzt getötet oder ins Tierheim gebracht?

Ich habe das gemacht, das war vor 17 Jahren. Da gibt es nichts daran zu deuteln. Ich habe sachgerecht entschieden.

Haben Sie Tiger und Jaguare nach China exportiert, wo einige zu Potenzmitteln verarbeitet wurden? Es sollen für zwei Tiere Ausfuhrgenehmigungen gefehlt haben.

Das stimmt nicht. Alle Tiere gingen an Zoologische Gärten, mit Bescheinigung vom Bundesamt für Naturschutz.

Worauf sind Sie als Chef von Zoo und Tierpark besonders stolz?

Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Der Landschaftstiergarten im Ostteil und der historische Zoo mit dem schönen Aquarium im Westteil wachsen immer mehr zusammen. Hervorzuheben sind auch unsere Zuchterfolge wie die Elefanten im Tierpark. Wir haben einen fantastischen Vogelbestand, für den wir ein neues Vogelhaus bauen müssen.

Was haben Sie für Konzepte?

Erholung, Bildung, Forschung und Naturschutz sind die vier gleichberechtigten Leitgedanken. Der Tierpark ist ein Landschaftstiergarten, der etwa durch schöne Kamelanlagen besticht. Wir haben große Tierhäuser, die erweitert werden müssen, wie das Elefantenhaus, dann werden die Tiere nachts kürzer angekettet. Wir verleihen noch dieses Jahr der Tropenhalle mehr Erlebnischarakter. Meine Lieblingsanlagen sind die für die europäischen und asiatischen Gebirgsstiere. Das ist die Konzeption der Zukunft: große Tierherden, große Flächen. Wir wollen aber keinen Eventpark mit ein paar Tieren, sondern einen Zoo mit vielen Tieren. Disneyland mag ich – ich habe ein kindliches Gemüt - aber das ist kein Zoo.

Kritiker von der Berlin Tourismus Marketing halten Ihnen vor, dass sie kein Marketingkonzept haben.

Dann sollen sie sich doch mal mit mir zusammensetzen und mir das sagen.

Knut ist ja Zoo-Markenzeichen. Es soll finanzielle Angebote gegeben haben, ein Gehege für ihn auszubauen. Warum haben Sie das nicht angenommen?

Es hat kein ernsthaftes Angebot für eine solche Anlage gegeben. Eine weitere Eisbärenanlage zu bauen wäre im Zoo technisch gar nicht möglich. Knut bleibt mindestens noch dieses Jahr. Über seine Zukunft ist noch nicht entschieden. Natürlich soll er in drei, vier Jahren seiner Fortpflanzungspflicht nachkommen.

Warum beschäftigten Sie Bären nicht intesiver, wie das in den USA gemacht wird?

Sein Problem ist, dass er eine Handaufzucht ist. Einen gleichaltrigen Bären gibt es nicht, die Zusammenlegung mit einem Braunbären würde nicht funktionieren. Er ist mit Futter, Spielzeug und dem Ein- und Ausschluss beschäftigt.

Sie haben gesagt, Sie seien in den vergangen Jahren sensibler geworden. Wie wirkt sich das im Umgang mit den Tieren aus?

Gegenüber Tieren war ich immer sensibel. Aber meine Sichtweise gegenüber der Präsentation hat sich geändert. Die Kamelanlage im Zoo ist einzigartig, dennoch ist mein Empfinden, dass das keine schöne und adäquate Präsentierung mehr ist. Auch bei den Raubkatzenhäusern ist eine Veränderung geplant; mich begeistern die großen und hohen Leopardenkäfige wie im Zoo Halle.

Sie sagen gern, der Zoo sei keine Volksdemokratie. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Es gibt ein Autoritätsgefälle im Zoo, weil es anders nicht geht. Das sehen wir jetzt, wie mich alle beschießen und befeuern, ich trage die Verantwortung. Schön ist das alles nicht. Aber wer im Wind steht, muss das auch aushalten.

Kommt Ihnen der Satz bekannt vor: „Wir wollen lieben in Tat und Wahrheit’“?

Nein.

Das ist das Jahresmotto des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Sie sind doch Komtureileiter des päpstlichen Ritterordens.

Ich bin leitender Komtur der Berliner Gruppe. Der Orden unterstützt die Christen im Heiligen Land. Ich habe eine sehr dezidierte Auffassung zu Moral und Ethik. Deswegen bin ich auch ein bisschen angefressen über die Berichterstattung vieler Medien. Was hat meine religiöse Bindung mit meinem Beruf zu tun?

Schlägt sich die Einstellung von Katholiken gegenüber Empfängnisverhütung bei Tieren nieder? Ihnen wird ja vorgeworfen, zu viele auf die Welt kommen zu lassen.

So etwas zu behaupten, wäre schlichtweg verfehlt. Natürlich ist mein gesamtethisches Verhalten auch auf Tiere ausgedehnt, dass ich mit Tieren vernünftig umgehe, weil sie als Mitgeschöpf für mich sehr wichtig sind.

Das Gespräch führten Sabine Beikler und Annette Kögel

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