Zoo-Doppelspitze am Ende : Streit um Knut

Der kaufmännische Direktor des Zoos Gerald R. Uhlich gibt sein Amt auf. Grund sind Differenzen mit seinem Vorstandspartner Blaszkiewitz. Vor allem um die Vermarktung gibt es schon lange Streit.

Zoo Berlin
Besucheransturm vor dem Zoologischen Garten Berlin. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinIn der Stunde des größten Erfolgs gehen der Zoologische Garten Berlin und sein kaufmännischer Direktor Gerald R. Uhlich (51) jetzt  getrennte Wege. Das bestätigte der besonders für die Vermarktung von Eisbär Knut verantwortliche Wirtschaftswissenschaftler. Uhlich zog damit die Konsequenz aus lange schwelenden Unstimmigkeiten mit dem zoologischen Vorstand Bernhard Blaszkiewitz über die Führung und vor allem den wirtschaftlichen Kurs des artenreichsten Zoos der Welt. Offiziell hieß es, die Trennung erfolge einvernehmlich.

Zur endgültigen Auflösung des Vertrags von Uhlich, der seit Juli 2004 für die finanziellen Geschicke des Zoos verantwortlich zeichnete, sollen noch weitere Gespräche mit dem Aufsichtsrat geführt werden. Uhlich selbst kommentierte die Entscheidung mit den Worten: "Ich habe mir wirklich nichts vorzuwerfen." Er verwies darauf, dass die Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. Der Zoo schreibe schwarze Zahlen und werde in der Öffentlichkeit "hierzulande und weltweit sehr positiv wahrgenommen".

Zoo-Chef Blaszkiewitz wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Mit dem Rückzug von Uhlich gibt es die Doppelspitze in Zoo und Tierpark nicht mehr. Uhlich hatte die kaufmännischen Bereiche der beiden Anlagen im West- und Ostteil Berlins bereits 2006 zusammengeführt. Seit Februar 2007 leitet Blaszkiewitz als Zoologe Tierpark und Zoo.

Die Einnahmen stiegen, aber hinter den Kulissen stimmte die Chemie nicht

Uhlich trieb im Knut-Jahr die Vermarktung des Publikumslieblings voran. Mit der Gründung der Marke "Respect Habitat.Knut", unter deren Dach Wirtschafts- und Werbeunternehmen Knut-Lizenzen kaufen können, erhöhten sich die Einnahmen auf geschätzte acht bis zehn Millionen Euro im Jahr. Dank Knut kann der Zoo außerdem mit Eintrittsgeldern von weit mehr als drei Millionen Besuchern kalkulieren.

Doch hinter den Kulissen stimmte die Chemie in verschiedenen Spitzengremien schon lange nicht. Am Rande der ersten Geburtstagsparty von Knut sagte Uhlich enttäuscht: "Mir würde sogar verschwiegen, wenn Knut von Mutter Tosca Geschwisterchen bekommt." Uhlich verstand oft selbst nicht, warum ihm Steine bei der dringend nötigen Modernisierung und kommerziellen Ausrichtung in den Weg gelegt wurden. Offenbar gab es zu viele Differenzen. Von Traditionen allein könnten Zoo und Tierpark nicht auf Dauer leben, lautete sein Credo.

Vielen Neuerungen im Zoo-Geschäft ging Streit voraus, hieß es immer wieder. Das Ziel Uhlichs, mit Hilfe der Medien und neuer Besucherschichten die Eigenfinanzierung zu erhöhen, kollidierte oft mit den vorrangig rein zoologischen Interessen in der Zoo-Führung. Uhlich sah Handlungsbedarf, weil die Zuschüsse des Senats in den vergangenen Jahren immer weiter sanken. Früher erhielten Zoo und Tierpark pro Jahr rund 12 Millionen Euro. Die Summen schmolzen aktuell auf zwei Millionen für den Zoo und sechs Millionen Euro für den Tierpark.

Der frühere Manager in der Metall- und Textilindustrie wollte den Zoo in einen "Businesspark" verwandeln. Er führte Familientickets, Karten für Alleinerziehende, Großeltern und die besonders beliebte Mutter-Card ein. Wie der Vorgänger von Blaszkiewitz, Ex-Zoo-Chef Jürgen Lange, wollte Uhlich mehr emotionale Tier-Storys.

Vorstandspartner Blaszkiewitz zog hier jedoch nicht wie erhofft mit. Bei einem Redaktionsbesuch der dpa gab er zum Beispiel den TV-Doku-Soaps aus der Tierwelt keine Zukunft: "Die sind bald ausgelutscht." Auch "das Riesentheater um Knut" verstehe er bis heute nicht. Uhlich wollte genau das Gegenteil, unterstützte den amerikanischen Bestseller-Autoren Craig Hartkoff beim Knut-Buch, förderte das Projekt "Knut. Der Film" und brachte zuletzt noch eine Knut-Dokumentation in das Programm der nächsten Berlinale. (ctr/dpa)

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