Berlin : Zoo-Etat: Kleine Fische für den Zoo?

Katharina Körting

Auf den Zoo könnten harte Zeiten zukommen. Die Berufung von zwei weiteren Mitgliedern in den bislang zweiköpfigen Vorstand stößt beim Senat auf Unverständnis. Bleibt die Aktiengesellschaft bei ihrer Entscheidung, würden die Mittel weiter gekürzt, lautet die Drohung aus der Senatsfinanzverwaltung. Sie hat über Zoo und Tierpark die Fachaufsicht.

"Wir halten nur eine einzige Aktie" sagt Sprecher Klaus Dittko, "unsere Einflussmöglichkeiten sind daher begrenzt". Dennoch würden Möglichkeiten geprüft, den Vorstand zu zwingen, seine Entscheidung rückgängig zu machen. Vielleicht könne sogar Geld zurückverlangt werden, wenn nachweislich unwirtschaftlich gearbeitet wurde. Wie berichtet,ist die Personalpolitik im ältesten deutschen Zoo ins Gerede gekommen. Eine Geschichte wie aus einer US-Fernsehserie: Der Biologe Heiner Klös, bislang Prokurist, will Nachfolger von Zoodirektor Hans Frädrich werden, der in zwei Jahren in den Ruhestand geht. Sein Vater, Altdirektor Heinz-Georg Klös, sitzt im Aufsichtsrat. Dieses Gremium hat im April die Erweiterung des Vorstandes beschlossen, Klös in den Vorstand berufen und nun zum Vize-Chef gemacht. "Bis vor kurzem wussten wir nichts davon", sagt Dittko.

Die 250 Mitarbeiter der Zoo-AG sind aufgebracht, weil der beliebte, stellvertretende Zoodirektor Peter Rahn übergangen und seines Postens als Vize-Chef enthoben wurde - "eine absolute Gemeinheit", meint Raimon Opitz im Betriebsrat. Bisher saßen im Vorstand Frädrich und der Kaufmann Peter Czupalla. Hinzu kommen jetzt Aquariumsdirektor Jürgen Lange und eben Heiner Klös. Vier Vorstände mitsamt Pensionsansprüchen seien Verschwendung, sagt Opitz, vor allem, wenn der Rest der Belegschaft zum Sparen angehalten werde.

Personalbedingte Mehrausgaben gebe es nicht, sagt hingegen Klös junior. Er und Lange hätten auf eine Erhöhung ihres Gehalts verzichtet. Die gerüchteweise kursierende Summe von 218 000 Mark im Jahr für einen Vorstand will er nicht bestätigen. Weniger als die Hälfte habe er zur Verfügung.

Bleiben noch die individuell ausgehandelten Pensionen. Klös senior zum Beispiel soll rund 240 000 Mark Pension erhalten. "Aber das sind Einzelverträge", sagt der Vize-Chef. Gehälter und Pensionen seien überdies "interne Vorgänge", die niemanden etwas angingen. In diesem Jahr erhielt der Zoo sieben Millionen Mark vom Land Berlin. Der Tierpark in Friedrichsfelde, eine hundertprozentige Zoo-Tochter, bekam 17,6 Millionen Mark. Ferner gewährte die Stiftung Deutsche Klassenlotterie seit 1993 rund 55 Millionen Mark. Für das Jahr 2001 sind vom Senat bislang 6,7 Millionen Mark für den Zoo und 16,76 Millionen Mark für den Tierpark vorgesehen.

Überlegungen, diese Summe zu kürzen, hält Heiner Klös, der sich als Opfer eines Rufmords sieht, für unangemessen: "Die Anschuldigungen sind völlig haltlos. Ich bin sauer." Zoo-Besucher profitieren von der ganzen Geschichte nicht, im Gegenteil. Sie müssen tiefer in die Tasche greifen: Von Januar an kostet die Eintrittskarte nicht mehr 14, sondern 15 Mark.

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