Berlin : Zoo-Experten: Schwänen nicht zu nahe kommen

Aber keine Hinweise auf Vogelgrippe in Berlin. Bald kommen die Zugvögel. Stallpflicht ab März

Annette Kögel

Jetzt auch Vogelgrippe bei Schwänen in Italien: Die Geflügelpest rückt immer näher. Angesichts des baldigen Beginns des Zugvogelflugs wird es ab Anfang März für Berlin und Brandenburg wieder eine Stallpflicht für Hühner- und Entenvögel geben, sagte Roswitha Steinbrenner, Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Zoo und Tierpark prüfen, ob sie Volieren und andere Freigehege mit Folien abdecken, damit weder Kleinvögel hineinfliegen noch über Kot womöglich das H5N1-Virus einschleppen. Die Zoos raten vorbeugend davon ab, Schwäne aus der Nähe zu füttern. Die Gesundheitsverwaltung sieht hier keine Gefahr, da es in Berlin bisher keinen Fall von Vogelgrippe gebe. Sie empfiehlt nur die übliche Vorsicht im Umgang mit Wildtieren – und im Falle eines Kontaktes die Hände zu waschen.

Nach Auskunft von Jürgen Lange, Vorstandsvorsitzender des Zoologischen Gartens, sind die meisten Schwäne in Berlin „standorttreue Höckerschwäne“. Übers westliche Deutschland zögen aber Sing- und Zwergschwäne hinweg, die bald von Frankreich, Polen und den Benelux-Ländern zurück nach Skandinavien fliegen. Aber auch in Brandenburg lassen sich Singschwäne nieder. Lange: „Für unsere Schwäne besteht also das Ansteckungsrisiko darin, dass sie mit Zugvögeln, die infiziert sind, oder deren Exkrementen in Kontakt kommen“ – wie Störche, Kraniche, Möwen, Fischreiher, Wildgänse.

Obwohl in Süditalien erste Schwäne an der Vogelgrippe verendeten, gebe es keinerlei Anlass für Panik, betonte Verwaltungssprecherin Steinbrenner. Menschen könnten sich nur dann anstecken, wenn sie intensiven Kontakt mit infiziertem Geflügel haben, wie etwa in Asien, wo Hühner oft mit in den Häusern leben. Solange das Virus nicht mutiert, ist Vogelgrippe nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. In Europa sei die Tierseuche eher aus wirtschaftlicher Sicht bedrohlich, da infizierte Bestände komplett gekeult werden müssen. In Berlin gebe es nur etwa 1000 Tiere, die als Nutzgeflügel betroffen sind; in Brandenburg allerdings sind es weit mehr. Steinbrenner betonte, dass es infolge anhaltend intensiver Kontrollen durch Zoll und Veterinäre sowie Einfuhrverbote höchst unwahrscheinlich sei, dass die Geflügelpest hiesige Regionen erreiche. Berlin sei durch Medikamentenvorräte und Notfallpläne aber gewappnet.

Zoo-Chef Jürgen Lange und Kurator Heiner Klös sind da pessimistischer. „Ich habe immer gesagt, irgendwann wird das Virus auch bei uns sein“, meint Lange – die Natur halte sich nicht an Landesgrenzen. Langfristig sei die Wahrscheinlichkeit hoch, zumal die Region sehr gewässerreich sei. Lange: „Wir können gar nicht so viele Tiere in den Stall holen, wie sich wieder auf den Teichen niederlassen.“ Wenn jemand verendete Wildvögel entdecke, solle er den Behörden den Fund melden.

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