Berlin : Zoo für Stadtkinder: Schnattern stört die Nachbarschaft

Tobias Arbinger

Tempelhof-Schöneberg. Auf dem Weg zu Rolf Rese kommt man um seine Tiere nicht herum. Hinter der Gartentür seines Einfamilienhauses pickt ein Emu in der Erde. Ein paar Meter weiter reiben sich Schafe am Holzzaun. Im Nebengehege schlummert ein Minischwein. Ein Kleinkind betrachtet mit großen Augen die Ente "Buffi", die über das Grundstück watschelt. Im Haus mit der Ausstellung über bedrohte Tierarten wird einer Kitagruppe gerade eine ungiftige, rote Königsnatter vorgeführt.

Rese betreibt ein "Privates Museum für Tierkunde". Dutzende von Haus- und Wildtieren hält er in seinen Gehegen im Garten des Hauses an der Marienfelder Kirchstraße und auf zwei benachbarten Grundstücken - die genaue Zahl kennt auch er nicht. Bei Kitas und Grundschulen ist seine "Ausstellung mit lebenden Tieren" äußerst beliebt: Allein 144 Gruppen waren dort 2000 zu Besuch.

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Nun soll der private Tierpark verschwinden. Schon vor Monaten haben sich Nachbarn über das Geschnatter von Gänsen, über die Mücken, die die Tiere anziehen, über Dunggeruch und das lebendige Treiben beschwert, das der Besuch von Schul- und Kindergartengruppen mit sich bringt. Ein Hickhack mit dem Bezirksamt begann, das nun ihren Höhepunkt erreicht: Baustadtrat Gehard Lawrentz (CDU) ließ den Betrieb des Minizoos untersagen, weil dieser in einem Wohngebiet liegt.

Er werde sich mit dieser Entscheidung "nicht viele Freunde machen", sagte Lawrentz. Das Bezirksamt habe aber keine Wahl. Reses Tierkundemuseum wäre nur zu tolerieren, wenn sich alle Nachbarn damit einverstanden erklärten. Das ist nicht der Fall.

Vor allem an Stadtkinder richte sich sein Museum, sagt Rese. Immer wieder erlebe er, wie "erschreckend wenig" sie über in hiesigen Breiten lebende Tierarten wüssten. Kleinkinder sehen bei ihm Kaninchen, Schafe und Schweine zum ersten Mal in ihrem Leben. Grundschüler sehen sich Melkvorführungen an, lernen vom Aussterben bedrohte Tierarten kennen, sowie Programme, bei denen nur noch in Zoos vorhandene Arten in freier Wildbahn angesiedelt werden.

Den Grundstein für das Tierkundemuseum hat schon Rolf Reses Großvater gelegt, der als pensionierter Lehrer begann, Tiere im Garten zu halten. Durch Reses Arbeit als Zoologe, bei der er sich beispielsweise mit dem Verdauungssystem von Kängurus beschäftigt, kamen etliche Tiere hinzu. Das Interesse der Nachbarskinder am Grunzen und Schnattern in dem Garten war schon von Beginn an groß. Irgendwann öffnete der Marienfelder seine Sammlung offiziell für das Publikum.

Das Bezirksamt befürchtet Klagen, wenn es Reses Zoo weiter toleriert. Vielleicht bietet ein Angebot der Trabrennbahn Mariendorf einen Ausweg. Ihr Geschäftsführer hat angeregt, den Tierpark auf das Rennareal zu verlagern. Rese scheint von der Idee nicht begeistert zu sein. Er habe bereits Zugeständnisse gemacht, sagt er, zwei laute Enten abgeschafft, die Mistentsorgung verlagert. Andere Forderungen wie die, die Türen am Wochenende zu schließen, gehen ihm zu weit. Das würde "dem Zweck der Anlage widersprechen". Wahrscheinlich muss er sie bald ganz zumachen.

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