Zoo-Skandal : Der Direktor mit dem dicken Fell

Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz bringt Tierschützer gegen sich auf. Er selbst sieht sich als Opfer einer Kampagne. Zu Recht?

Annette Kögel

Besser kann es aus PR-Sicht für Zoo und Stadt eigentlich nicht laufen. Wo immer in der Welt Klaus Wowereit unterwegs ist, gibt es keinen Gesprächspartner, der nicht mit einem Leuchten in den Augen dieses magische Wort ausspricht: Knut! Sie haben doch diesen süßen Eisbären in Ihrem Zoo! Deutsche Nachrichtenagenturen senden ihre Berichte über den Bären immer noch in allen Sprachen. Und doch fällt ein Schatten auf den Zoo: Vorstand Bernhard Blaszkiewitz wird mit immer neuen Vorwürfen von Tierschützern und Tourismusexperten konfrontiert. Selbst der Zoo-Förderverein zweifelt den eigenen Chef an. Die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling, die Blaszkiewitz bei der Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen Tierschutz- und Grundgesetz anzeigte, sagt: „Herr Blaszkiewitz ist als Zoo-Vorstand untragbar.“ Nun lädt ihn das Parlament vor. Über seine Stellung entscheidet indes der Zoo-Aufsichtsrat, dem zwei Vertreter der Finanzverwaltung angehören.

Der studierte Biologe war seit Mitte der 80er Jahre Kurator am Zoo, 1991 wurde er Tierpark-Direktor, seit dem Weggang von Vorstands-Kollege und Marketing-Fachmanns Gerald Uhlich Ende 2007 ist er alleiniger Chef. Und sieht sich nun heftiger Kritik ausgesetzt. Die Grünenabgeordnete Hämmerling wirft ihm nach Studien von Unterlagen und nach Auskünften von Insidern vor, zu viele Tiere zu züchten, die später über Zoohändler gar bei Schlachtern landen. Zudem schaffe er durch Kreuzungen Bastarde und befördere Inzucht. Der Zoo-Chef bezeichnet all das als völlig haltlos und spricht von einer rufschädigenden Kampagne. „Wir fordern den Zoo-Chef auf, alle Bücher im Sinne der Unschuldsvermutung offenzulegen, und die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen“, sagt Jürgen Brückner, Vorstand des Zoo-Fördervereins. Auch er stellte die Frage, ob Blaszkiewitz „noch der richtige Mann an der Spitze“ sei.

Auch beim Marketing werden dem 54-jährigen leidenschaftlichen Biologen Versäumnisse vorgeworfen. So sagte Berlins oberster Vermarkter Hanns Peter Nerger jüngst, Blaszkiewitz beweise durch seine Absage der „Gay Night“ im Zoo „seine konsequente Haltung, die wieder zeigt, dass er keinerlei Gefühl für Marketing hat“. Nach dem Abtritt von Vorstands-Kollege Uhlich „fürchten wir, dass der Zoo wieder in einen Dämmerschlaf zurückfallen wird“. Zum Wochenende schob Nerger hinterher, es sei „ein großer Fehler, dass Blaszkiewitz keine Vorsorge für den Verbleib des neuen weltbekannten Berliner Maskottchens, Eisbär Knut, getroffen“ habe. Die Zoos besäßen als besucherstärkste eintrittspflichtige Einrichtungen der Stadt als Werbeträger weltweit eine Sonderrolle; der Zoo müsse ein tragfähiges Marketing-Konzept vorlegen.

Von Blaszkiewitz ist bekannt, dass ihm der Rummel um Knut auf die Nerven geht. Aus seiner Sicht fokussiere sich das Interesse zu sehr auf ein Tier, dabei biete der artenreichste Zoo der Welt weit mehr. Einer Gruppe von Damen, die ihn bei der Geburtstagsfeier von Knut sachlich darum baten, den Bären zu behalten und Pfleger Dörflein mehr zu würdigen, entgegnete er, er wolle „mit so einer wilden Herde nicht reden“. Hämmerling behauptet gar, dass er „als Chef seine Leute einschüchtert. Er regiert nach dem Prinzip: Teile und herrsche.“

Blaszkiewitz sagt immer, er trage die Verantwortung und müsse gewisse Entscheidungen alleine treffen: „Der Zoo ist keine Volksdemokratie.“ Er sei eben jemand, der sagt, was er denkt. Der 54-Jährige genießt bei vielen Berufskollegen sowie bei Mitarbeitern hohes Ansehen. Sie schätzen seine Fachkenntnis, hatten wiederum Schwierigkeiten mit dem Manager-Typ Uhlich. Wowereit lobte Blaszkiewitz als „hervorragenden Zoologen“. Berlins Tierschutzbeauftragter Klaus Lüdcke sagt, er solle bleiben – „damit die Vorwürfe aufgeklärt werden“. Wie jener zur Tötung kleiner Katzen im Tierpark, die er vor 17 Jahren auf die Erde geschleudert haben soll, was Blaszkiewitz als Lüge bezeichnet. Er habe ihnen „artgerecht das Genick gebrochen“. Aufsichtsrat und Tierpark-Fördergemeinschaft stehen voll hinter ihrem Chef, der Drohmails verkraften muss. Direktoren anderer Zoos geben zu bedenken, dass „man Zoochefs leicht stürzen kann, in dem man emotional beladene Themen öffentlich macht“. Da sei wohl schon ein Urteil gefällt, der Lebensentwurf eines Menschen gefährdet – doch keinerlei Beweis vorgelegt.

Unterdessen erregt Umweltschützer, dass es zu Beginn der Knut-Manie Verhandlungen von Zoo-Führungskräften mit Porsche gab – der Autobauer wollte einen spritfressenden Rennwagen mit Klebebildern des Klimaschutz-Symboltiers Knut beim Porsche-Cup rasen lassen. Aus ADAC-Kreisen hieß es, dieser „schnellste Eisbär der Welt“ sei vom Zoo-Hauptvermarkter ausgebremst worden.

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