Berlin : Zoo-Terrassen schließen

Zu wenig Betrieb: Restaurant im Bahnhof gibt auf

Klaus Kurpjuweit

Wie groß der Handlungsbedarf in der West-City ist, zeigt der Bahnhof Zoo: Jetzt schließen auch noch die seit den 50er Jahren dort befindlichen „Terrassen am Zoo“. Ende November ist nach Tagesspiegel-Informationen Schluss. Dann gibt es in dem Bahnhof, in dem seit fünf Monaten keine Fernzüge mehr halten, auch kein großes Restaurant mehr. Trotzdem will die Bahn weiter auf den Bahnhof setzen. Noch gebe es Verhandlungen, sagte ein Sprecher. Und an den Umbauplänen halte die Bahn auf jeden Fall fest. Sie hat dafür aber bisher keinen Finanzier gefunden.

Die Mitarbeiter in den Terrassen sind enttäuscht. „Seit hier keine Fernzüge mehr halten, sind die Kunden weggeblieben“, sagen sie. Ein Blick ins Restaurant zur Mittagszeit bestätigt es: Kein einziger Tisch ist besetzt. Nur gähnende Leere. Vom Betreiber selbst, der SSP Deutschland, war am Freitag keine Stellungnahme zu erhalten. SSP hatte vor rund zwei Jahren die Mitropa übernommen, die lange Jahre das Restaurant bewirtschaftete. Seit der Eröffnung des Hauptbahnhofs Ende Mai lässt die Bahn im Bahnhof Zoo Fernzüge durchfahren.

Der zum Teil auf Stützen gelagerte Bau war 1957 an den Bahnhof angefügt worden. In dem mehr als hundert Meter langen Trakt gab es damals fünf Arten von Speiseräumen mit insgesamt etwa 600 Plätzen: das Schnell-Restaurant „Zoo-Pick", eine Imbissstube, ein Café, ein Kindl-Restaurant und eine „Gute Stube". Nach einer ersten Renovierung zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 konnte erst 1994 mit einer grundlegenden Sanierung und Modernisierung begonnen werden. Das Restaurant erhielt dabei auch einen Zugang über eine Freitreppe vom Hardenbergplatz aus. Was jetzt mit den leeren Räumen geschieht, ist ungewiss.

Die Bahn will den Bahnhof grundlegend umbauen und auch mehr Platz für weitere Läden schaffen. Zudem soll die Fassade erneuert werden. Am liebsten würde die Bahn auch eine Tiefgarage unter dem Hardenbergplatz bauen lassen. Noch sucht sie aber nach Investoren; eigenes Geld will die Bahn nicht ausgeben.

Für sie hat der Bahnhof Zoo auch ohne den Halt von Fernzügen eine Zukunft. Noch immer kämen täglich rund 100 000 Menschen in den Bahnhof. Als dort noch Fernzüge hielten, waren es fast 30 000 mehr. Vor allem die Fahrgäste im Fernverkehr hatten das Restaurant genutzt.

Aufgegeben hat inzwischen auch der Krawattenverkauf im Bahnhof, der ebenfalls weitgehend auf Kunden im Fernverkehr angewiesen ist. Hier gibt es jetzt Donuts zu kaufen. Geschlossen ist der Fotoladen, der derzeit nach Angaben der Bahn für einen neuen Mieter umgebaut wird. Die meisten Geschäftsinhaber beklagen einen nach ihren Angaben erheblichen Umsatzrückgang.

Doch es gibt auch Optimisten. Wieder geöffnet ist der Blumenladen, der mehrere Wochen geschlossen war. Die neuen Inhaber sind zuversichtlich, dass sie sich auch im Bahnhof ohne Fernverkehr halten können. Optimistisch bleibt auch Helga Frisch, die weiter für einen Fernbahnhof Zoo kämpft. Die ehemalige Pfarrerin hat dafür nach ihren Angaben knapp 140 000 Unterschriften gesammelt. Dass die Bahn ab Dezember weitere Nachtzüge, vor allem Richtung Osten, im Bahnhof Zoo halten lässt, ist für Frisch kein Ausgleich für den Wegfall der Tageszüge.

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