Berlin : "Zoofenster": Wahrscheinlich neue Investoren benötigt

Cay Dobberke

Der Bau des geplanten "Zoofenster"-Hochhauses zwischen Hardenberg-, Kant- und Joachimstaler Straße in Charlottenburg muss anscheinend erneut verschoben werden. Am Montag lief die letzte Frist aus, die der bisherige Grundstückseigentümer Brau und Brunnen AG einer arabischen Investorengruppe zur Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 75 Millionen Mark - zuzüglich Nebenkosten von fast zehn Millionen Mark - gestellt hatte. Doch nach Tagesspiegel-Informationen ist die Überweisung ausgeblieben. Ein Sprecher von Brau und Brunnen wollte sich dazu nicht äußern. Die Frist ende erst um Mitternacht, hieß es. Der für die Araber tätige Projektentwickler Fritz Skrzypzak ist seit Tagen nicht erreichbar.

Der Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen hatte der Investorengruppe "Trans Arab Support Services (TASS)" aus Abu Dhabi schon wiederholt angedroht, den Vertrag von Ende 1999 wegen der ausbleibenden Zahlungen zu widerrufen. Dagegen beantragte die Käuferfirma eine einstweilige Anordnung des Landgerichts. Bei einer Verhandlung am 23. Februar, dem letzten Tag eines vom Getränkekonzern gestellten Ultimatums, kam es schließlich zu einem Kompromiss. Der 31. März wurde als letzter Zahlungstermin festgelegt und der 2. April als der Tag, an dem die Summe auf dem Konto von Brau und Brunnen eingegangen sein müsse.

Die Gesamtkosten für das 118 Meter hohe Gebäude mit einem 300-Zimmer-Luxushotel der Raffles-Gruppe aus Singapur, Geschäften und Wohnungen würden nach jüngsten Schätzungen 330 Millionen Mark betragen. Dem Vernehmen nach haben die Araber seit längerem Probleme, die nötigen Gelder aufzubringen. Die aktuellen Entwürfe stammen vom Architekten Christoph Mäckler. Dessen Büro teilte gestern mit, den neuesten Stand des Streits um den Kaufpreis nicht zu kennen.

Brau und Brunnen hatte erste Planungen für das "Zoofenster" bereits Anfang der 90er Jahre vorgestellt. Der wirtschaftlich angeschlagene Konzern entschied sich allerdings, nicht selbst zu bauen. Schließlich erwarb die deutsche Investorengruppe Dr. Ebertz und Partner das Grundstück und das Projekt. Das Unternehmen trat davon aber 1999 ohne Angabe von Gründen wieder zurück.

Die Baugenehmigung erteilte der Senat im vorigen November, nachdem Brau und Brunnen eine "nachbarschaftliche Einigung" mit der Firma ITAG erzielt hatte. Diese plant an Stelle der bisherigen Kantstraßen-Überbauung mit dem so genannten Schimmelpfeng-Haus ein eigenes Hochhaus namens "Focus". Es soll ebenfalls 118 Meter hoch werden.

Als Baubeginn für das Zoofenster hatte Projektentwickler Skrzypzak zuletzt Ende Mai bis Anfang Juni genannt. Wie lange die Suche nach neuen Investoren dauern kann, ist unklar. Zumindest die Baugenehmigung bliebe von einem neuerlichen Verkauf unberührt.

Statt Fundamenten des geplanten Hochhauses steht in dem Karree nahe dem Breitscheidplatz weiterhin die Ruine des ehemaligen "Teppich Kibek"-Geschäfts. Es war vor Jahren unter mysteriösen Umständen schwer von einem Bagger beschädigt worden, dessen Fahrer später eine Haftstrafe erhielt. Unbewiesen blieb dabei der Verdacht, dass der Eigentümerkonzern den angeblichen Unfall veranlasst hatte, weil das Teppichhaus Kibek sich gegen den Auszug sträubte.

Schuldlos an den Verzögerungen beim Hochhausprojekt sieht sich das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. "Das liegt mit Sicherheit nicht an uns", betonte Baustadtrat Alexander Straßmeir (CDU) schon nach der Gerichtsverhandlung im Februar. Damals hatten die arabischen Investoren eine fehlende Genehmigung zur Baugrubensicherung als Grund dafür genannt, den Kaufpreis noch nicht zahlen zu wollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar