Berlin : Zu Besuch bei Gans Edlen Herren

Ein Adelsgeschlecht mit hochtrabendem Namen bewohnte einst das Schloss Grube in der Prignitz. Dann verfiel das Gebäude Nun zieht neues Leben ein: Die Sanierung ist beinahe geschafft, ein Restaurant und mehrere Hotelzimmer warten auf Gäste.

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Nur für den Adel. Das mag in früheren Tagen gegolten haben, als die von Quitzows oder die Gans Edlen Herren zu Putlitz im Schloss Grube residierten. Heute aber hoffen die Betreiber auf das Interesse von Touristen aus nah und fern – und haben das Schloss aufwendig saniert. Am Wochenende ist es von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Foto: Claus-Dieter Steyer
Nur für den Adel. Das mag in früheren Tagen gegolten haben, als die von Quitzows oder die Gans Edlen Herren zu Putlitz im Schloss...

Bad Wilsnack – In der großen Brandenburger Schlösserwelt geschieht tatsächlich noch Erstaunliches. Denn selbst lange nach dem Ende großzügiger Förderprogramme für Denkmalschutz und Gastgewerbe gibt es nun die Neueröffnung eines Schlosshotels zu vermelden. Und das liegt nicht etwa in der Berliner oder Potsdamer Umgebung oder in der Nähe bekannter Ausflugsziele. Nein, nach Schloss Grube in der Prignitz ist ein Ausflügler, der in der Hauptstadt startet, gute anderthalb bis zwei Stunden mit dem Auto unterwegs. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kommt zwar jederzeit bequem mit dem Zug ins nahe Bad Wilsnack. Per Bus weiter in das kleine Dorf Grube geht es aber zumindest an den Wochenenden nicht. Vielleicht ändert sich das, wenn sich die Nachricht von der Restaurierung des Schlosses in der Prignitz noch weiter herumgesprochen hat.

„Derzeit bauen wir zwar noch im Dachgeschoss einige Hotelzimmer“, sagt Projektsteuerer Sebastian Schmitt. „Aber der größte Teil der vor fast vier Jahren begonnenen Sanierung ist geschafft.“ Diese sei sehr dringend gewesen, weil das Gebäude von Verfall gekennzeichnet und stark einsturzgefährdet gewesen sei. Es habe sich gewissermaßen um „die ersten Reparaturen seit 260 Jahren“ gehandelt. Schon im Jahre 2010 erhielten die beiden privaten Eigentümer des Schlosses, die sich lieber im Hintergrund halten wollen, den Brandenburger Denkmalpreis. Dabei strahlten zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr als die Fassade und Teile des Erdgeschosses in neuem Glanz. Aber offensichtlich waren die Juroren rund um die Brandenburgische Kulturministerin von den ersten Ergebnissen so begeistert, dass sie die Bauherren zusätzlich motivieren wollten.

Inzwischen stehen in diesem letzten repräsentativen Wohngebäude des alten Prignitzer Adelsgeschlechts von Quitzow ein Restaurant sowie mehrere Doppelzimmer und Suiten zur Verfügung. Aber nicht nur Hotel- und Restaurantgäste finden den Weg nach Grube. Auch das für den ländlichen Raum erstaunlich reiche Kulturprogramm stößt auf wachsendes Interesse. Im vergangenen Jahr beteiligte sich das halbe Dorf an der Aufführung eines Theaterstücks über die alten Quitzows.

Nach der Einfahrt in das klassische Runddorf Grube rückt zuerst die alte Fachwerkkirche von 1577 ins Blickfeld, bevor dem Schloss aus den Jahren 1741/42 alle Aufmerksamkeit gehört. Ein neues Aussehen erhielt es 1889 durch eine Adelsfamilie mit dem klingenden Namen der Gans Edlen Herren zu Putlitz.

Mit dem Kriegsende 1945 begann auch für das Schloss Grube, so wie für die meisten der rund 500 Brandenburger Schlösser, ein meist unerfreuliches Kapitel. Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurden die letzten Eigentümer vertrieben. Flüchtlingsfamilien aus dem Osten fanden hier zunächst eine provisorische Unterkunft. Ihnen folgten zu DDR-Zeiten die typischen Nutzer von großen Schlössern: Schule, Bürgermeisterei, Jugendclub, Konsum-Verkaufsstelle und LPG-Küche.

Die Bausubstanz nahm erheblichen Schaden. Nach Erinnerung von Dorfbewohnern fehlten in den sechziger Jahren sowohl Geld als auch Material, um die Dachgauben zu reparieren. Sie wurden daraufhin einfach abgebaut. Heute prägen sie wieder die Fassade.

Zur Geschichte des Schlosses gehört aber auch, dass zu DDR-Zeiten Häuser in die historische Gutsanlage hineingebaut wurden. Die Dorfstraße führt seit dieser Zeit notgedrungen durch das Schlosstor hindurch.

Heute mischen sich unter die Gäste neben Hochzeitsgesellschaften auch immer mehr Touristen, die die Prignitz auf einem Tages- oder Wochenendausflug erkunden. Mit der Kristalltherme und der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack, dem Europäischen Storchendorf Rühstädt und dem Zusammenfluss von Elbe und Havel bei Gnevsdorf liegen weitere Ziele im Umkreis.

Das Schloss hat mittwochs bis sonntags geöffnet. Weitere Informationen unter www.schloss-grube.de

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