• Zu Besuch bei Schöneberger Künstlern: "Schöneberger Art": Rundgang feiert 10-jähriges Jubiläum

Zu Besuch bei Schöneberger Künstlern : "Schöneberger Art": Rundgang feiert 10-jähriges Jubiläum

Am Wochenende öffnen rund 90 Künstlerateliers und Galerien im Bezirk ihre Türen. Es geht um Austausch und Förderung von Kunst im Bezirk.

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Selbstporträt der Schöneberger Künstlerin Eva Kreutzberger.
Selbstporträt der Schöneberger Künstlerin Eva Kreutzberger.Foto: promo/Schöneberger Art

Seine künstlerische Seele hat Schöneberg nie verloren. Der Krieg vertrieb zwar die Bohème der Goldenen Zwanziger, doch in den Sechzigern pulsierte die Szene schon wieder. Markus Lüpertz hatte damals sein Selbsthilfeatelier mit Kollegen in der Großgörschenstraße. Doch noch heute lassen sich Künstler gezielt im Bezirk nieder.

Warum, das erfährt der Besucher am Wochenende bei der 10. Schöneberger Art. Zum Jubiläumsrundgang am Sonnabend, 4. November von 14 bis 20 Uhr und am Sonntag, 5. November von 12 bis 18 Uhr öffnen in diesem Jahr 78 Ateliers und 15 Galerien vom Südkreuz bis zur Kurfürstenstraße ihre Türen.

Ein authentisches Berlin

„Schöneberg ist noch authentisch geblieben“, begründet Martina Zinkwe ihre Wahl, aus der Heimat in Israel in gerade diesen Teil von Berlin zu ziehen. Den „mz project room maia zinc“ hat sie vor einem Jahr bewusst in einer ruhigen Wohngegend in der Kyffhäuser Straße eröffnet.

Zinkwe möchte die Kunst „direkt vor die Haustür bringen“ und sich von den großen kommerziellen Galerien absetzen, die den oberen Teil der Potsdamer Straße zu ihrem Revier erklärt haben. Unter anderem unterstützt "mz" durch privat finanzierte Residenzen israelische Künstler, die aus politischen Gründen Berlin als künstlerische Heimat gewählt haben.

Selbstporträt eines Bezirks

Am Donnerstagabend empfing Zinkwe in den kleinen Räumlichkeiten des "mz" über 50 Schöneberger Künstlerinnen und Künstler zur Vernissage der Ausstellung „Selbstporträt/Self Portrait“, die die Schöneberger Art eröffnete. Eine von ihnen ist Walpurga Pauels. Die große Frau mit den langen, schwarzen Haaren nimmt den Raum sofort ein. Ihr Körper ist inhaltlicher Bestandteil ihrer Kunst.

"Zinnober": Selbstporträt der Künstlerin Walpurga Pauels aus Schöneberg.
"Zinnober": Selbstporträt der Künstlerin Walpurga Pauels aus Schöneberg.Foto: Walpurga Pauels

Pauels' Karriere begann als Tänzerin bei Pina Bausch. Mittlerweile verbindet sie Foto, Skulptur und Performance in ihrer Kunst, die die Verbindung von Körper und Raum thematisiert. Seit 1982 lebt und arbeitet Pauels schon in Schöneberg. Ihr Atelier ist in einem Brennpunkt des Bezirks, im Souterrain der Zwölf-Apostel-Gemeinde, direkt an der Kurfürstenstraße.

Doch Pauels' Kunst kann an jedem Ort stattfinden. „Die Performance passiert da, wo es passiert“, sagt sie, ob auf dem Tempelhofer Feld, oder am Strand von Fuerteventura. Auf der Kanareninsel entstand das "Zinnober", das Foto, das zur Ausstellung im „mz“ beisteuerte. Die Qualität der Fotos ist dabei weniger entscheidend, als den Moment festzuhalten, in dem es passiert.

Walpurga Pauels' Werk "Steinfleisch" aus der Serie "Formes brutes/alluvial nue".
Walpurga Pauels' Werk "Steinfleisch" aus der Serie "Formes brutes/alluvial nue".Foto: Walpurga Pauels

Netzwerke zwischen Künstlern fördern

„Ich spüre eine Offenheit für transdisziplinäre Kunst in Schöneberg“, sagt Pauels über die Kunst im Kiez. Die unterschiedlichen Stile werden auch im Raum der „mz“ deutlich. Ganz eigene Interpretationen des "Selfies" haben die Künstler mitgebracht, die Wände sind dicht behangen mit klassischen Fotos, manche absichtlich verschossen, Ölgemälden und Pappcollagen.

Gastgeberin Zinkwe hat ihr Porträt selbstlos der Stadt Berlin gewidmet: Ihr Beitrag zur Ausstellung ist ein Gemälde der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Zwar liegt das Symbol Westberlins schon über der Bezirksgrenze, in Charlottenburg, doch fasst es das nostalgische Gefühl der freien, gemeinschaftlichen Kunstszene Westberlins zusammen.

Statt Profit und Wettbewerb um künstlerische Anerkennung steht die Schöneberger Art im Zeichen des Austauschs. Auch Jutta Kaddatz, Kulturstadträtin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, kündigt am Eröffnungsabend an, dass der Bezirk sich stärker für die Vernetzung von Künstlern einsetzen möchte.

Eine Karte mit allen teilnehmenden Ateliers und Galerien finden Sie auf www.schoeneberger-art.de.

Sechs Kunstführungen geben am Wochenende eine Übersicht über die Kunst in verschiedenen Kiezen. Termine und Anmeldung hier: www.schoeneberger-art.de/fuehrungen.

Die Ausstellung "Selbstporträt/Self Portrait" im "mz", Kyffhäuser Straße 16, ist noch bis Freitag, 10. November zu besichtigen. Öffnungszeiten: Mittwoch - Freitag 13-19 Uhr, Samstag 11-18 Uhr.

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