Berlin : Zu Besuch in den Zimmern der Zweiten Gewalt

Die Bundesregierung lädt ein zum Wochenende der Offenen Tür

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Schon mal im „Steinsaal“ gewesen? Dieses Besprechungszimmer im Arbeitsministerium ist ganz mit dunkel-rötlichem Marmor ausgekleidet, der gleiche, der auch den U-Bahnhof Mohrenstraße so düster macht. Vormals herrschte Propaganda-Minister Goebbels über den Gebäude-Komplex in der Mauerstraße, jetzt denkt sich hier Walter Riester Renten- und andere Regelungen aus. Am Wochenende kann man die Säle und Flure seiner Beamten besichtigen, ebenso wie die der Mitarbeiter seiner Kabinettskollegen: von 10 bis 18 Uhr, beim Tag der Offenen Tür der Bundesregierung.

Aber Obacht: Nur neun der 16 Dienststellen (14 Ministerien, ein Bundeskanzleramt, ein Presse- und Informationsamt) sind tatsächlich an beiden Tagen des Wochenendes zugänglich. Fünf sind nur am Sonnabend geöffnet: Das Auswärtige Amt am Werderschen Markt, das Justizministerium in der Mohrenstraße, das Finanzministerium in der Wilhelmstraße, das Familienministerium in der Taubenstraße, das Bauministerium in der Invalidenstraße. Nur am Sonntag geöffnet haben das Wirtschaftsministerium in der Scharnhorststraße und das Entwicklungshilfeministerium in der Stresemannstraße.

Auch einige Minister oder ihre Staatssekretäre werden sich hie und da blicken lassen – aber auch wer sie verpasst, bekommt mehr geboten als einen Blick auf die Arbeitsplätze der Zweiten Gewalt, der Exekutive. Ein kulturelles und musikalisches Rahmenprogramm trägt zur Unterhaltung bei, außerdem gibt es Gesprächsrunden und Informationen zum Thema „Nachhaltigkeit“, dem Leitbegriff des „Weltgipfels“ Ende des Monats in Johannesburg. Dabei sind fast alle der Ministerialgebäude selbst Beispiele für „nachhaltiges“ – ressourcenschonendes – Handeln: Es sind keine Neu-, sondern modernisierte Altbauten.

Mitbringen sollten die Besucher nur einen Personalausweis. Und im Interesse möglichst schneller Sicherheitskontrollen nur wenig Gepäck. Es werden wie im Vorjahr an die 100 000 Interessierte erwartet. Die BVG richtet zum Tag der Offenen Tür einen Bus-Shuttle im Zehn-Minuten-Takt ein. Die Haltestellen, die nicht immer unmittelbar an den Ministerien liegen, sind mit Plakaten gekennzeichnet.

Und in allen Gebäuden wirbt die Bundesregierung um Spenden für die Leidtragenden der Hochwasserkatastrophe. Regierungssprecher Uwe Karsten Heye sagte, der demokratische Charakter dieser zwei Tage, an denen die Regierungsgebäude für alle offen stehen, werde durch diese solidarische Hilfe noch verstärkt. how

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