Berlin : Zu den Besten zählen

Tag der Wahrheit: Berlins Unis im Elite-Test

Tilmann Warnecke

Wer bleibt im Rennen um den Titel als Deutschlands Elite-Uni? Darüber wurde gestern in Bonn beraten (die Entscheidung war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht gefallen). Der Papierform nach hätten sich die Wissenschaftler der Humboldt- und Freien Universität entspannt zurücklehnen können. Denn wenn es nach aktuellen Uni-Rankings geht, stehen HU und FU gut da: In allen wichtigen Kategorien kommen sie unter die ersten zehn. Alle Kategorien zusammengenommen, liegen sie sogar unter den ersten fünf – und vier bis fünf der 27 Bewerberunis sollen in der ersten Wettbewerbs-Runde den Elite-Status bekommen.

Besonders stark sind HU und FU bei den Sonderforschungsbereichen, den wichtigsten Vorhaben, die bisher gefördert werden. Mehr als die beiden Berliner hat nur die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Auch international sind die Berliner attraktiv: Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland kommen am zweitliebsten an die HU, gefolgt von der FU. Vorne liegt wieder die LMU. Die Unis überzeugen auch beim wichtigen Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das sie auf Platz vier (HU) und acht (FU) sieht. Ähnlich konstant kommen die beiden Münchner Unis und Heidelberg unter die Top Ten.

Die dritte Berliner Bewerberin dagegen, die Technische Uni, steht schlechter da. Das CHE sieht sie unter ferner liefen, sie hat nur drei Sonderforschungsbereiche. Zittern werden dennoch alle Berliner Wissenschaftler. Denn der Stand der Spitzenforschung ist nur ein Kriterium. Wichtiger sind „Zukunftskonzepte“, in denen die Unis erklären mussten, wie sie ihre Spitzenforschung ausbauen. Die HU will den Nachwuchs fördern, die FU ihre internationalen Kontakte ausbauen und Talent Scouts einsetzen, um ausländische Spitzenkräfte anzuwerben. Die TU will die Entwicklung von wissenschaftlichen Ideen zu Produkten verbessern.

Die Öffentlichkeit fiebert mit – der Wettbewerb hat aber zwei weitere Disziplinen. 20 Graduiertenschulen und 15 Forschungscluster – interdisziplinäre Vorhaben – werden zusätzlich vergeben. Die Berliner Unis haben 11 Cluster und 11 Graduiertenschulen ins Rennen geschickt; auch die Universität der Künste tritt an. Neben den 27 Elite-Uni-Bewerbungen gab es Anträge für 135 Graduiertenschulen und 157 Cluster. Die Entscheidung fällt im Oktober, dann stimmen auch die Politiker mit. In einer zweiten Runde werden 2007 noch einmal so viele Elite-Unis, Graduiertenschulen und Cluster gekürt.

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