Berlin : Zu Fuß durch die Antarktis

Imax-Kino zeigt die Geschichte des Polarforschers Shakleton

Lothar Heinke

Wer es richtig kalt mag, über Gletscher stapfen, Schneeberge hochhausweise genießen und im Hubschrauber über eisige Weiten rasen möchte, der begebe sich ins „Discovery Channel Imax-Theater“ am Marlene- Dietrich-Platz. Ab 4. Januar toben dort antarktische Stürme, trotzen harte Männer den Naturgewalten und erleben dennoch Bilder voller wilder, ungeahnter Schönheit. Der Film „Gefangen im Eis“ erzählt die abenteuerliche Geschichte des Polarforschers Sir Ernest Shakleton, der anno 1914 die Absicht hatte, mit einer Expedition die Antarktis zu Fuß zu durchqueren. Dazu gab er diese Anzeige auf: „Männer gesucht für riskante Reise. Geringer Lohn. Bitter kalt. Lange Monate in kompletter Dunkelheit. Ständige Gefahr. Sichere Rückkehr fraglich. Ruhm und Anerkennung im Erfolgsfall.“ Es meldeten sich 5000 Interessenten.

Nurmehr 28 mutige Männer sind es schließlich, die am 1. August 1914 mit der „Endurance“ London verlassen. Gut vier Monate später trifft der Dreimaster zum ersten Mal auf Packeis, das sehr bald das Schiff erbarmungslos umklammert hält. Bis Ende Oktober 1915 sitzen die Männer mit ihren Schlittenhunden fest – bis das Schiff schließlich vom Eis zerquetscht wird. Shakleton, Abenteurer wie Psychologe, tut alles, um die Crew zu retten, was ihm schließlich – alles in allem nach zwei Jahren im Eis – auch gelingt.

Als die Mannschaft das Schiff verlassen musste, befahl der Chef seinen Leuten, alles außer zwei Pfund persönlicher Gegenstände zurückzulassen. Ausnahmen gab es nur bei den Filmaufnahmen des Expeditionsfotografen und Kameramanns Frank Hurley und dem Banjo des Meteorologen. Der Fotograf tauchte sogar noch einmal ins eiskalte Wasser, um einen Teil seiner Glasplatten mit den Bildern aus dem sinkenden Schiffswrack zu retten. So ist vieles von dieser abenteuerlichen Reise dokumentiert.

Atemberaubend wird die Sache für uns heute durch die aufwändige Imax-Technik, mit der Bewunderer Shackletons dessen ereignisreiche Reise als Ode an den menschlichen Willen nachvollziehen können. Unter dem unendlich scheinenden, gewölbten Kuppeldom sind nun wir gefangen im Eis und begleiten gebannt das Abenteuer der mutigen Männer an den Originalplätzen – so kalt, so weit, so weiß und wohl so hoffnungslos. Drei Imax-Kameras, mehrere Forschungsschiffe und Hubschrauber, Boote, ein großer technischer Stab und schließlich auch noch Reinhold Messner realisieren Shackletons Traum im ewigen Eis und lassen uns am Drama teilhaben: Gelitten, gefroren, gehungert – aber am Ende triumphiert.

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