Berlin : Zu Gast bei Frank Zander: Kindl und Gans für 1000 Obdachlose

Der Schlagersänger lud erneut Trebegänger zum Weihnachtsessen ins Estrel-Hotel

Juris Lempfert

Der Bundeskanzler hat hier seine Agenda 2010 vorgestellt, die großen deutschen Stars haben hier den Bambi entgegengenommen. Und jetzt steht der Obdachlose Achim Heber aus Reinickendorf auf der Bühne des Estrel-Convention-Centers in Neukölln und ruft „Danke Frank!“ Der Saal johlt.

Zum neunten Mal hat der Schlagersänger Frank Zander in diesem Jahr 1000 Obdachlose zum Weihnachtsessen in das Hotel eingeladen. Die Ersten saßen bereits vormittags vor der Tür, um 16 Uhr ist jeder Platz besetzt. Viele sind zum ersten Mal hier und können es nicht fassen: „Wenn ich meinen Leuten erzähle, dass ich in Europas größtem Hotel zu Abend gegessen habe und mir Frank Zander eine Gans serviert hat – das glaubt mir keiner“, sagt der 56-jährige Hans Werners, der seit drei Jahren auf der Straße lebt.

Lautstark geht es zu im Saal, das Kindl-Bier wird heute aus Bechern getrunken, kleine Streitereien werden sofort geschlichtet. Die Eingeladenen sind Zander dankbar und wollen das auch zeigen. „Der Frank meint es ehrlich mit uns, der will nicht nur sein Gewissen beruhigen“, sagt Peter Steinbrecher, den sie am Tisch wegen seiner Volltätowierung „Tapete“ nennen. Die anderen nicken.

Zander selbst steht noch immer am Eingang, er begrüßt jeden Obdachlosen mit Handschlag. Sein rauer Ton („Haut rein Jungs, aber kräftig!“) und der Flachmann in der Jacke sind keine Show, Zander fühlt sich wohl unter seinen Gästen. „Ich rede hier von Angesicht zu Angesicht mit den Leuten. Ich halte keinen Scheck für die Leute in eine Kamera, sondern feiere mit ihnen, deshalb kommen wir so gut miteinander klar.“

Nicht ganz so locker wirkt CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Er ist einer von vielen Prominenten, die Zander bei seiner Aktion unterstützen. „Ich bin zu Hause für das Abräumen zuständig“, entschuldigt er seine eher bescheidenen Servierkünste. Auch Schlagersänger Frank Schöbel, der Sänger Ayman und die Pop-Gruppe Flashback tragen eine Keule nach der anderen an die Tische. Pomp Duck and Circumstance-Chef Hans-Peter Wodarz ist mit seinem Ensemble gekommen und inszeniert die Show.

Am Ende singt Zander dann noch den einen seiner beiden großen Hits: „Hier kommt Kurt“. So richtig mitsingen kann keiner, aber alle stehen auf und klatschen. „In 20 Jahren wird sich an meine Musik keiner mehr erinnern“, sagt Zander, „aber diese Veranstaltung wird es noch geben, das geht gar nicht mehr anders.“

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