Berlin : Zu haben: Landhaus zwischen Ziegen und Wasserfall

Bezirk wünscht sich für Kreuzberg-Villa einen phantasievollen Wirt

Christoph Stollowsky

Ein bisschen Toscana, ein wenig Bergidylle: Wenn die Leute an einem Frühlingstag wie gestern in der Kreuzbergstraße am Fuße des Kreuzberges in italienischen Cafés sitzen und gegenüber im Viktoriapark die Ziegen meckern und Gänse schnattern, dann scheint Berlin in den Süden gerückt zu sein. Auch eine charmante, alte Villa im Schweizer Landhausstil neben dem Wasserfall bereichert diese Szenerie, aber ihr Bild hat einen Schönheitsfehler: Die Rollläden der noch bezirkseigenen „Villa Kreuzberg“ sind heruntergelassen. Sie steht seit Februar 2003 leer. Doch nun wird ein Käufer gesucht, möglichst „ein phantasievoller Gastronom“, wie Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS) sagt.

Schließlich ist das architektonische Schmuckstück an der Kreuzbergstraße 62 am Rande des Parks gleich neben den Tiergehegen wie geschaffen für eine solche Zukunft: Platz gibt es dort genug für ein maklerisches Restaurant samt Caféhaus-Garten. Und das wäre auch nicht gänzlich neu, denn mehr als 30 Jahre lang hat der Bezirk das 1892/93 gebaute Haus vielfältig kulturell genutzt, zuletzt traf sich dort ein multikultureller Mädchenclub.

Anfangs war die einstöckige Backstein-Villa das Haus des Obergärtners im Park. Gebaut wurde sie 1892/93 von Hermann Blankenstein, der auch die Marheineke- und die Eisenbahn-Markthalle entwarf. Ein überragendes Dach mit verziertem Gebälk prägt ihre Front. Und eine Pergola verbindet sie mit einem Hof und dem einstigen Maschinenhaus, das einen Konzertraum beherbergt. Das Ensemble auf 1200 Quadratmetern ist denkmalgeschützt und vom landeseigenen Liegenschaftsfonds nun zum Verkauf ausgeschrieben. Mit Ausnahme des Kellers, weil sich darin die Pumpen des Wasserfalls befinden.

Wie viel die Villa kostet, sei Verhandlungssache und hänge vom Konzept des Interessenten ab, heißt es im Bezirk. Auf jeden Fall soll das Haus vielen Menschen weiter offen stehen - und würde der Bewerber auch die teils ehrenamtlich betreuten Tiergehege des Bezirks nebenan sponsern, hätte er zumindest bei der Bürgermeisterin besonders gute Karten

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