Berlin : Zu Hause in der Waldsiedlung: Der heimliche Bürgermeister

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Bei den Nachbarn heißt er nur "der Bürgermeister". In der Waldsiedlung ist Werner Schlaak eine Institution. Erst 1999 hat der 75-jährige nach 31 Jahren die Leitung des "Vereins der Gartenfreunde Spandau-Hakenfelde" - so heißt die 1926 gegründete Siedlerorganisation mit heute 360 Mitgliedern - abgegeben. "Ich will kein Vorsitzender sein, den man hinten stützt und vorne den Text vorhält." Davon ist der pensionierte Eisenbahner weit entfernt.

"Das ist unser Altersruhesitz, wir brauchen keine Seniorenresidenz" sagt Werner Schlaak, während er mit Ehefrau Ingeborg - sie sind seit 53 Jahren verheiratet - von der Loggia in den Garten blickt. Ziegen und Gemüse aus der Gründerzeit sind längst Blumen und Ziersträuchern gewichen. Unter alten Bäumen stehen Gartenzwerg "Lothar" sowie die Porzellangänse "Eugen" und "Eulalia". Am Mast gleich daneben weht - wie es sich für einen Bürgermeister gehört - die Spandauer Flagge. Für Gäste aus der Hauptstadt wird auch schon einmal der Berliner Bär aufgezogen.

Nicht alle Neuen wissen die Besonderheiten der Siedlung zu schätzen, bedauert der Pensionär. Zum besonderen Flair gehöre es eben, nicht mit dem Pkw durch die engen Gassen zu rasen und auch einmal ein paar Meter bis zum Parkplatz zu laufen. Dass der Bezirk einst die Chance nicht genutzt hat, die ganze Waldsiedlung in einem Modellprojekt des Bundes zur verkehrsberuhigten Zone umzugestalten, ärgert den "Bürgermeister" noch heute. Als die Idylle Ende der 70er Jahre auf Betreiben der Stadt einer Hochhaussiedlung weichen sollte, haben die Anwohner gekämpft. Der damalige SPD-Finanzsenator Riebschläger ist für ihn der "Held und Retter". Er machte den Plänen ein Ende. Seitdem ist die Welt in Hakenfelde wieder in Ordnung. Und so spricht Werner Schlaak, wenn er über die Waldsiedlung erzählt, von der "Oase am Rande der Großstadt".

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