Berlin : Zu Hause ist es schöner

Viele Berliner fahren jetzt zu ihren Verwandten – auch wenn die hunderte Kilometer weit weg leben

Katja Reimann

Jedes Jahr gibt es Streit ums Essen: die Oma will Nürnberger Würstchen, die Schwägerin Raclette, der jüngere Bruder am liebsten ein Steak. Die Diskussion am Abend ist programmiert: Wären echte Kerzen auf dem Weihnachtsbaum nicht doch schöner gewesen? Familientreffen zu Weihnachten sind anstrengend, das stimmt. Aber sie sind auch schön. Und oft die einzige Gelegenheit im Jahr, die Verwandschaft auf einmal zu sehen. Dafür fährt man gerne durch halb Deutschland, wenn es sein muss, hunderte Kilometer weit.

23 zusätzliche Züge lässt die Deutsche Bahn vom 21. Dezember bis zum 6. Januar rollen, mit 400 000 Reisenden pro Tag rechnet der Konzern an den Weihnachtsfeiertagen. Am meisten los sei traditionell am 21. und 22. Dezember. Die beliebtesten Reiseziele liegen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Gestern fuhren allein über 15 Züge nach Karlsruhe, zwei Sonderzüge kamen noch dazu.

In einem ICE gibt es 700 Sitzplätze, wer nicht rechtzeitig reserviert, muss stehen oder auf dem Koffer hocken. Die kuschelige Enge zwischen Abteil- und Toilettentür kann manchmal sogar ganz nett sein, denn eigentlich sind alle gut drauf. Es geht ja nach Hause, zur Familie, endlich mal wieder. Allerdings hat so eine Bahnreise, sagen wir mal nach Stuttgart, auch ihren Preis: Ohne Bahncard kostet eine Fahrt 122 Euro. Billiger und schneller, wenn auch nicht umweltfreundlich, kommt man mit dem Flieger nach Hause. Tuifly zum Beispiel flog gestern zum „Fest-Preis“ von 49 Euro von Tegel nach Köln und für 59 Euro (jeweils ohne Steuern) nach Stuttgart.

Auch bei der Mitfahrzentrale Citynetz in Berlin kann man sich noch kurzfristig um die Heimreise kümmern. „Sie können bei uns noch bis zu einer Stunde vor Abreise anrufen“, sagt Hans Ludwig Klaus, der Vorsitzende der Mitfahrzentralen in Deutschland und Chef der Citynetz-Mitfahrzentralen in Berlin. Die beliebtesten Strecken sind auch hier Berlin–Stuttgart und Berlin–München. Mitfahrgelegenheiten, früher als billige Reisemöglichkeit für Studenten bekannt, werden inzwischen von allen Altersgruppen genutzt. „Unsere ältesten Kunden sind um die 80 Jahre alt“, sagt Klaus. Mit einem interessanten Mitfahrer erscheint die Fahrt vielleicht nicht mehr so lang. Billiger als mit der Bahn zu fahren, ist der Platz im fremden Auto allemal: Um die 24 Euro kassiert der Fahrer für die Strecke nach Stuttgart, 11 Euro beträgt die Vermittlungsgebühr für die Zentrale. Selbst wenn Württemberger, Bayern und Rheinländer die Stadt über Weihnachten verlassen, spätestens zu Silvester kommen sie alle wieder zurück. Katja Reimann

Die Citynetz Mitfahrzentrale ist zu erreichen unter Tel. 194 44. Infos zur Bahn unter www.db.de.

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