Berlin : Zu "kurban bayram", dem drei-tägigen Opferfest, wird ein Schaf geschlachtet

Suzan Gülfirat

Das islamische Opferfest (kurban bayram¤) ist neben dem Ramadanfest das höchste religiöse Fest der Moslems. Sie sind für die Menschen in islamischen Ländern große Freudenfeste. Dort gehört auch zum Ritual, Lämmer oder Schafe zu schlachten und nach der Weisung des Propheten Mohammed ein Teil des Fleisches an die Ärmsten der Gesellschaft zu verteilen. Von heute an feiern das Fest drei Tage lang auch viele der etwa 200 000 Moslems in Berlin. Doch wo es keine so bittere Armut gibt, gilt es Einfallsreichtum zu beweisen, um der religiösen Pflicht nachzukommen. So will die islamische Organisation Milli Görüs - im wahrsten Sinne des Wortes unter der Beobachtung des Verfassungschutzes - 1500 Kilo Fleisch an Küchen von Obdachlosen-Einrichtungen und Altersheime verteilen.

Die türkischen Fleischgroßhandlungen, die sich überwiegend im Umland befinden, sprachen gestern von "mehrere hundert Bestellungen" von Berliner Türken. Das Ritual geht auf die Geschichte von Ibrahim (Abraham) zurück, der als Zeichen seines Glaubens an Gott, seinen Sohn Ishak (Isaak) Opfern sollte. Der religiösen Überlieferung nach schickte Gott jedoch im letzten Moment den Erzengel Cebrail (Gabriel) mit einem Schaftsbock zu Abraham auf die Erde herunter. Gläubige Moslems glauben, dass sie diesem religiösen Ritual und der Weisung Mohammeds nachkommen müssen. So gibt es viele Familien, die zuverlässige Verwandte in der Türkei bitten, in ihrem Auftrag ein Tier schlachten zu lassen.

Andere verteilen das Fleisch, sofern sie überhaupt ein Tier schlachten lassen, in der unmittelbaren Nachbarschaft. In Deutschland ist das "Schächten" aus religiösen Gründen nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 1995 nur mit Betäubung erlaubt. Das Landesveterinäramt wacht, so die Presstelle, sehr sorgsam über die Einhaltung dieser Vorschrift.

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