• Zu liberal für die CDU? Auf dem Kreisparteitag tritt ein Tempelhofer gegen eine Neuköllnerin an

Berlin : Zu liberal für die CDU? Auf dem Kreisparteitag tritt ein Tempelhofer gegen eine Neuköllnerin an

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Bei der Nominierung der Kandidaten für das neue Neuköllner Bezirksamt bekommt die amtierende Sozialstadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) Konkurrenz. Auf dem CDU-Kreisparteitag am Montagabend sollte der derzeitige Tempelhofer Jugendstadtrat Dietrich Schippel als Gegenkandidat aufgestellt werden. Vor zehn Tagen hatten die 108 CDU-Kreisdelegierten Vogelsang in drei Wahlgängen durchfallen lassen. Sie war bis dahin die einzige Kandidatin. Vogelsang kündigte trotzdem an, sich erneut zu bewerben. Das Resultat der Abstimmung stand zum Redaktionsschluss noch aus.

In der Partei waren Stimmen laut geworden, die die Ablehnung der 33-jährigen Sozialstadträtin als "Flügelkampf" zwischen Anhängern des konservativen Zirkels "Union 2000" und liberaleren Mitgliedern werteten. "Das ist ganz weit hergeholt", sagte hingegen der Neuköllner Kreisvorsitzende Reinhard Führer. Persönliche Gründe und ein bisschen auch "Kritik an der Sacharbeit" haben seiner Meinung nach eine Rolle gespielt. Der 55-jährige Gegenkandidat Schippel sagte, er wäre bereit, den Neuköllner Parteifreunden "aus der Bredouille" zu helfen. Vor seinem Amt als Stadtrat war Schippel Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Einigung haben SPD und CDU gestern über die Postenverteilung im Bezirksamt erzielt, das um einen auf sechs Stadträte anwächst. Der Sozialdemokrat Heinz Buschkowsky übernimmt danach das Ressort Umwelt, Gesundheit, Grünflächen und Sport. Sein Parteifreund Wolfgang Schimmang, zur Zeit Leiter des Landesschulamtes, soll für Bildung und Kultur zuständig sein. Stellvertretender Bürgermeister soll Finanzstadtrat Michael Freiberg (CDU) werden. Sein neues Ressort soll auch den Hochbau umfassen. Bürgermeister Bodo Manegold (CDU) will dafür Wirtschaft und Stadtplanung übernehmen. Führer zufolge soll CDU-Fraktionschef Lutz Reichert das neu geschnittene Ressort Jugend und Familie erhalten.

Der Kompromiss "macht uns nicht fröhlich, zeigt aber das Bemühen der größeren Partei, einen Zuschnitt zu ermöglichen, der der SPD die Mitarbeit erlaubt", sagte gestern SPD-Kreischef Frank Bielka. Bis zuletzt wurde um den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters gestritten, den heute noch Buschkowsky bekleidet. Die CDU blieb hart: Ende der 60er Jahre habe die SPD bei einem vergleichbar guten Ergebnissen auch die Posten des Bürgermeister und seines Stellvertreters bekleidet, sagte Führer. Für den Verzicht der SPD auf dieses Amt war die CDU aber bereit, auf das Sportressort zu verzichten.

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