Berlin : Zu sauer für den König - Friedrich Wilhelm I verbot den Weinanbau

-

Gleich vorweg: In Werder gewachsener Wein hat nichts mit Essig zu tun. Der Wein vom Wachtelberg ist erheblich besser als sein Ruf.

Etliche Kapitel Märkischer Geschichte muss man zurückblättern, um zum Beginn des Weinanbaus zu gelangen. Aus der ersten Urkunde Werders geht hervor, dass 1317 ein markgräflicher Vasall namens Sloteke den Flecken Werder an den Abt des Klosters Lehnin verkaufte, in dessen Besitz es bis 1542 verblieb. Die Zisterziensermönche, einem guten Tropfen nicht abgeneigt, förderten nun auf der Insel inmitten der Havel die Fischerei, Ziegelherstellung – und den Weinbau.

Ein Märkischer Humanist namens Sabinus erwähnte 1508, dass die Havel ihn an die Mosel erinnere, da auch sie zu beiden Seiten von Weinbergen begrenzt sei. Dabei war die Blütezeit des Werder’schen Weinbaus erst 150 Jahre später unter dem Großen Kurfürsten. Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., wahrlich ein Weinliebhaber, mochte hingegen den hier wachsenden Wein überhaupt nicht, weil selbiger „seinen Grenadieren das Gedärm endommagiere“. Damals lebte die Hälfte der Einwohner vom Rebstock.

Der König untersagte den Weinanbau. Es durften nur noch Obstbäume gepflanzt werden, weshalb aus dem einstigen Weinort ein Obstort wurde. Erst zu DDR-Zeiten begann man 1985 wieder Weinstöcke anzupflanzen, produziert wurde allerdings nur Weißwein. Heute ist der Wachtelberg die nördlichste weingesetzlich erfasste Reblage der Welt.

Die sechs Hektar große Gesamtfläche wird seit 1996 von dem Obstbauspezialisten Manfred Lindicke bewirtschaftet. Auch Rotwein wächst nun heran. Nach der Lese werden die Trauben in Bad Kösen an der Saale gekeltert und gereift.

Schon wegen der herrlichen Aussicht lohnt es sich, den Wachtelberg zu besteigen. Auf Weinlehrpfaden sind 35 Rot- und 35 Weißweinarten zu entdecken. Beim anschließenden Kosten in der Weintiene hat schon so mancher Skeptiker festgestellt – den kann man trinken. cps

Die Weintiene auf dem Wachtelberg hat vom 17. Juni bis 15. Oktober, Fr. ab 15 Uhr, Sa., So. ab 10 Uhr geöffnet. Tel. 03327-74 14 10, www.wachtelberg.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben