Berlin : Zu schön zum Schwitzen

Auch bei Lacoste sieht die Mode nur sportlich aus

Grit Thönnissen

Um was es wirklich geht, steht bei Adidas auf einem Schild, das an einer Jacke angebracht ist: „Sportswear clothing must be worn at all times“. Übersetzt heißt das „Sportbekleidung sollte man jederzeit tragen“. Das ist natürlich furchtbar lässig gemeint und sehr, sehr ernst. Bei einem Bummel zwischen Hackeschem Markt und Alexanderplatz bekommt man schnell den Eindruck: Für viele Passanten ist das längst zum Lebensmotto geworden. Turnschuhe, Jeans, T-Shirt – fertig ist das perfekte Outfit. Und da hat Berlin-Mitte allen anderen europäischen Großstädten etwas voraus: Nirgendwo gibt es so viele Niederlassungen von Sportfirmen, deren Kleidung, Schuhe und Accessoires ausdrücklich nicht zum Sporttreiben gedacht sind.

Mit dem Adidas-Shop in Mitte fing vor fünf Jahren alles an: Niemand würde der Firma aus Herzogenaurach absprechen, ein echter Sportartikelhersteller zu sein – schließlich stattet Adidas fast die Hälfte aller Profifußballer dieser Welt aus. Aber das spielt im Laden an der Münzstraße keine Rolle. Hier haben die Turnschuhe kein Fußbett, der Trainingsanzug ist nicht aus atmungsaktivem Hightechmaterial. Außerdem wäre die Sportmode nur fürs Fitnessstudio viel zu teuer.

Gestern feierte ein weitere Sportmarke die Einweihung ihres Ladens in der Münzstraße. Der französische Polohemdenhersteller Lacoste will sich in Mitte vor allem auf die modischen Stücke konzentrieren. Nicht, dass hier Cocktailkleider das Polohemd ersetzen, nur sind diese hier enger geschnitten, aus feinerem Stoff und mit einem silbernen Krokodil versehen. Auf die Frage, warum es ein Shop in Berlin-Mitte sein musste, bekommt man eine Antwort, die auch für die anderen Läden in der Nähe gilt: Weil in Berlin alles so neu und interessant sei und man hier deshalb gut hinpasse.

Bei Fred Perry in der Neuen Schönhauser Straße ist nur zu erahnen, welcher Sportart die britische Marke ihren Ruhm verdankt. Auf einer Fotocollage sind alte Werbefotos mit lachenden Tennisspielern abgebildet, darüber der Slogan „Dress and play the Perry way“. Hier im Laden bedeutet „Perry way“: Crêpe-Blusen mit Schleifen und Polohemden, die von den japanischen Designern von Comme des Garçons veredelt wurden.

Das neue, lebendige Berlin hat es auch der japanischen Marke Onituska Tiger angetan, die im Juni ihren dritten europäischen Laden nach Paris und London in der Alten Schönhauser Straße eröffnete. An der Wand thronen Turnschuhe wie Kunstwerke auf kleinen Podesten. Da steht zum Beispiel der „Mexico 66“. Der Schuh ist eine Sonderedition einer Sonderedition, extra für Berlin entworfen. „Berlin ist eine der kreativsten Städte in Europa“, zitieren die Veranstalter der Modemesse Bread & Butter den Vizepräsidenten Katsumi Kato von Onituska Tiger. Ohne die Messe würde es diesen Boom an Sportswearläden wohl nicht geben. Schließlich haben die meisten Firmen Berlin erst kennengelernt, weil sie auf der Bread & Butter ihre Produkte ausstellten. Die Macher der Bread & Butter können sich täglich einen Überblick über die Entwicklungen im neuen Epizentrum der Sportswear machen: Ihr Büro liegt direkt über dem Adidasladen.

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