Berlin : Zu Tisch mit der Queen

Der Bundespräsident gab für ElizabethII. und Prinz Philip ein glanzvolles Dinner im Zeughaus

Elisabeth Binder

Knicksen oder nicht knicksen? Das ist hier die Frage. Und sie wird immer akuter. Pünktlich um 20 Uhr betritt Königin ElizabethII. in Begleitung von Prinz Philip das Zeughaus. Nach dem ihr gut bekannten Schloss Charlottenburg und dem eher bescheidenen Schloss Bellevue lernt sie nun mit dem 1706 von FriedrichI. fertig gestellten Barockbau einen der neuen, glanzvoll von Grund auf restaurierten Orte Berlins kennen. ElizabethII. trägt ein in der Farbe ihrer Botschaft gehaltenes fliederfarbenes Kleid und ein schwer wirkendes Diadem auf dem Kopf, bei dem man auch später aus der Nähe einfach nicht erkennen kann, wie sich das so gerade da oben hält. Die 240 vom Bundespräsidenten geladenen Gäste erwarten sie bereits, die Minister Wolfgang Clement und Manfred Stolpe zum Beispiel, der evangelische Bischof Wolfgang Huber und der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel. Relativ aufgekratzt wirkt Ernst August von Hannover, während Prinzessin Caroline im langen braunen Seidenkleid mit großer Brosche angeregt mit dem Nuntius des Vatikan, Erwin Ender, plaudert. Die Herren tragen überwiegend schwarze Schleife zum Smoking, die Damen festlich ausladende farbige Roben, denn die Queen, so heißt es, mag kein Schwarz.

Doch, auch über die Problematik des Knicksens beim Defilee wird gesprochen. Das Argument „Ich bin doch keine Untertanin“, fliegt ebenso durch den Raum, wie die Haltung „Warum nicht, wenn’s der Feierlichkeit dient“. Und feierlich ist es, wenn der Protokollchef des Auswärtigen Amtes, Bernhard von der Planitz, jeden Namen freudig laut verkündet. Während sich die Schlange formiert, schauen viele Damen noch mal prüfend an sich und ihren Herren herunter. Man möchte ja nicht floppen, wenn man der Queen vorgestellt wird. Nicht auszudenken, wenn sich plötzlich der Inhalt der Handtasche mit dem etwas labilen Verschluss vor der Königin ausgießen würde. Dann geht alles ganz schnell. Der Bundespräsident lächelt offen, sie streckt die Hand mit dem weißen Handschuh aus, die gleichfarbige Handtasche baumelt sicher an ihrem anderen Arm: „Good Evening, Your Majesty“ und ein leicht angedeuteter Knicks. Prinz Philip ist kleiner als gedacht, aber immerhin auch schon 83 Jahre alt, Eva Luise Köhler makellos elegant im langen blauen Kleid. Schon vorbei der große Augenblick.Wo es rechts herum zum Saal geht, steht Martin Löer, der Protokollchef des Bundespräsidialamts, und achtet lächelnd darauf, dass die Gäste sich nicht verlaufen. Wäre auch schade. Runde Tische stehen im Schlüterhof mit seinem hohen Glasdach, nur die Queen sitzt an einer rechteckigen Tafel zwischen Außenminister Joschka Fischer und Bundespräsident Horst Köhler und verteilt ihr Ikonen-Lächeln gerecht, obwohl es dem Bundespräsidenten sichtlich leichter fällt, Charme zu versprühen als Fischer. Auch dessen britischer Amtskollege, Jack Straw, sitzt an der Tafel und unterhält sich mit Roman Herzog, außerdem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki .

Und worüber spricht man so bei Welsfilet mit glasierten Petersilienwurzeln und in Spätburgunder pochiertem Damhirschrücken? Die Eleganz des mit festlichen Kandelabern und großartigen Blumengestecken geschmückten Raumes wird noch unterstrichen vom Barockensemble Concerto Brandenburgo, das Händels „Einzug der Königin von Sheba“ spielt. „Schön, dass wir so einen Ort haben“, das ist anfangs ein Hauptthema. Später erinnern sich einige an das von Oberst von Gersdorf im März 1943 hier auf Hitler geplante Attentat. Aus der Zeit ist nach vielen Umbauten nichts geblieben. Einige Herren sprechen über Heinrich Heine, und dass in England immer alles 100 Jahre später kommt, auch die Söhne in Eton werden erwähnt. Die Queen erzählt, dass sie in ihrem eigenen Leben erfahren hat, „wie wir von Krieg zu Frieden, von Partnerschaft zu enger Freundschaft vorangeschritten sind“ und schlägt vor, dass „wir das gebührend feiern“ sollten. Bundespräsident Köhler betont, dass, zwölf Jahre nach ihrem letzten Staatsbesuch, Berlin nun wirklich in der Mitte Europas liege und wirbt dafür, mehr junge Briten zu einem Besuch in Deutschland zu ermutigen. Nach dem Dessert steht die Queen beim Kaffee noch im Foyer. Viele trauen sich zunächst nicht, näher zu kommen, Prinzessin Caroline guckt gerade suchend, da erscheint Klaus Wowereit.

Ihr Gesicht war immer schon da, und nun steht sie hier, eine ältere Dame mit einem freundlichen Lächeln unter den Diamanten, als wenn das alles nichts Besonderes wäre. Dabei war sie schon Königin in jenen Zeiten, als kleine Mädchen selbstverständlich vor Erwachsenen knicksten. Als die Queen um 23 Uhr aufbricht, heißt es vielfach: „Bis morgen“ zum Abschied. Für Mittwochabend lud ElizabethII. zum Empfang mit britischen Delikatessen und anschließendem Benefizkonzert zugunsten der Dresdner Frauenkirche.

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