Berlin : „Zu viel Aggressivität“

CDU-Politiker Wellmann fordert eine neue Kultur des Umgangs

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Kürzlich wurden Vorwürfe öffentlich lanciert, Sie hätten sich in den achtziger Jahren auf unlautere Weise der Geschäftsführung eines lukrativen Immobilienprojekts bemächtigt und damit viel Geld gemacht…

Die Vorwürfe sind unzutreffend und werden auch durch Wiederholung nicht richtig. Hier wird ein 15 Jahre alter Sachverhalt vorgeholt, den schon damals Staatsanwaltschaft und andere Behörden umfassend geprüft und im Ergebnis nicht beanstandet haben.

Sie sprechen von einer Kampagne. Wer will denn gegen Sie intrigieren?

Vielleicht damals wirtschaftlich Beteiligte. Und leider auch Leute, die politisch gescheitert sind und denen die Substanz zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung fehlt. In einer solchen Situation werden dann Gerüchte gestreut. Yuppie-Treffen und Herrenabende sind eben kein Ersatz für Politik. Die Mitglieder meines Ortsverbandes sind dies leid. Das wird bei der Neuwahl des Vorstands am Freitag sehr deutlich werden.

Sie sprechen von der CDU Dahlem, dem größten Ortsverband der Union. Haben Sie Chancen, als deren Vorsitzender wieder gewählt zu werden trotz der Angriffe gegen ihre Person?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Mitglieder mich unterstützen. Sie durchschauen die Absicht der Urheber dieser Gerüchte.

Steht es so schlimm um die Berliner CDU, dass Parteifreunde mit solchen Mitteln aufeinander losgehen?

Es gibt immer wieder Parteimitglieder, die sich nur durch Lautstärke bemerkbar machen. Das ist solange kein Problem, wie die Mehrheit der Vernünftigen zusammenhält. Schade, dass die Medien solchen Leuten Platz für ihre Selbstdarstellung geben.

Der Brandanschlag auf Ihr Auto? Wie passt der ins Bild?

Der hat mit dem CDU-Streit nichts zu tun. Aber ich mache mir Sorge um das Klima in der Stadt. Es gibt zu viel Aggressivität. Und die hat Ursachen. Die Menschen haben Angst – vor Krieg und um ihren Arbeitsplatz. Wir müssen sorgsamer miteinander umgehen: Aggressivität erzeugt Hass. Das gilt für alle. Für Politiker, ich nehme mich nicht aus, aber auch für Medien. Die müssen kontrollieren und kritisieren, aber bitte über der Gürtellinie.

Bekommt die CDU in Steglitz-Zehlendorf ihre Streitereien nun endlich in den Griff?

Ja. Wir brauchen eine neue Kultur des Umgangs: Wenn wir in der Südwest-CDU nicht anständig miteinander umgehen, glaubt der Bürger, Parteien gingen mit ihm genauso um, und das führt dann zu Vertrauensverlusten.

Welcher neue Kreischef könnte dort für Ruhe sorgen?

Es muss jemand mit Autorität, Geist und Integrationskraft sein. In der Südwest-CDU gibt es viele gute Leute, die kulturell, wissenschaftlich und sozial engagiert sind.

Die gesamte Berliner CDU ist in einer Umbruchphase. Wie lange wird das andauern?

Nach 16 Jahren sehr erfolgreicher Regierungsarbeit ist ein solcher Umbruch ganz verständlich. Dabei geht es manchmal etwas lauter zu. Das ist aber auch ein Zeichen für Lebendigkeit, im Gegensatz zur Totenruhe in der SPD. Mit Persönlichkeiten wie Christoph Stölzl an der Spitze haben wir alle Aussichten, wieder die bestimmende Hauptstadtpartei zu werden. Besorgt macht mich aber die zunehmende Entfremdung von unseren amerikanischen Freunden durch die Politik des Bundeskanzlers.

Das Gespräch führte Ulrich Zawatka-Gerlach.

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