Berlin : „Zu viel Gift über der Stadt“ Umweltexperte: Alternative prüfen

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„Schon in den 60ern wurden Müllverbrennungsanlagen als ,Müllheizkraftwerke’ schöngeredet“, sagt Gudrun Pinn, Abfallexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Dass hierbei die entstehende Energie so weit wie möglich genutzt werde, sei eine Selbstverständlichkeit. Ohne eine sinnvolle und effektive Nutzung von Abwärme und Energie werde ein Müllofen sowieso nicht mehr genehmigt.

Das Hauptproblem der Anlage in Ruhleben ist nach BUNDAnsicht ihr ungünstiger Standort, befinden sich an dieser Stelle doch schon eine Klärschlammverbrennungsanlage, zwei Kohlekraftwerke und eine Müllverbrennungsanlage. „Mit deren Ausbau entstünde die größte innerstädtische Müllverbrennungsanlage Europas“, sagt Pinn. „Für die Anwohner ist es ein unerträglicher Zustand.“

Die Schlacke sei nicht ungefährlich. Schadstoffe, insbesondere Schwermetalle, werden nicht gebunden, sondern könnten langfristig freiwerden, sagt Pinn. Sie gehörten deshalb auf eine gesicherte Deponie, aber nicht in den Straßen- und Wegebau, wo die Schwermetalle durch Regen ausgespült werden und nach und nach das Grundwasser erreichen.

Für den BUND liegt das Hauptproblem des Ausbaus von Ruhleben in der Verhinderung eines ökologisch orientierten Gesamtkonzeptes. „Eine Stoffstromtrennung, die Ressourcen schonen und Abfall zu vermeiden und verwerten hilft, erfordert eine effiziente Vorbehandlung. Verbrannt werden sollte nur das, was wirklich gut brennt.“

Doch die BSR strebe gar nicht nach einer Vorsortierung des Abfalls. Dies sei ein klarer Rückschritt gegenüber den bisherigen Planungen und den Konzepten privater BSR- Konkurrenten. „Die Müllwerker wollen einen erhöhten Anteil Rohmüll verbrennen, der lediglich zuvor über ein Sieb geschickt wurde“, sagt Pinn. Dafür werde der Rohmüll im BSR-Konzept sogar noch um Biomüll aus der Biotonne angereichert, der bei dem bestehenden Plan zu zwei Dritteln in der Verbrennung und nicht in der biologischen Behandlung landen würde. „Die BSR ist der größte Umweltverschmutzer in Berlin und Brandenburg, weil sie seit Jahren aus wirtschaftlichen Gründen genau das macht, was nach Gesetz nur die Ausnahme sein sollte.“ Der BUND fordere eine sofortige Ausschreibung aller Abfallmengen, die über die Kapazität von Ruhleben hinausgehen. Dies würde diesem Zustand sofort ein Ende machen und nicht erst 2005 oder 2012, wenn die MVA Ruhleben ausgebaut wäre. I.B.

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