Berlin : Zu viel Idylle

Christian van Lessen

Sie wirken noch fremd, verschachtelt, verwinkelt, zusammengepuzzelt. Als gehörten sie nicht nach Berlin, vielleicht eher in eine Kleinstadt. Wie „Stadthäuser“ aussehen, welch idyllische Provinzialität sie verbreiten, lässt sich zwischen Auswärtigem Amt und Hausvogteiplatz bestaunen oder belächeln. Es sind, unbestritten, Reihenhäuser auf höchstem Niveau mit stolzen Besitzern, die sich den Traum vom Eigenheim in Mitte erfüllen konnten. Die Nachfrage nach teurem Innenstadt-Wohnen ist vorhanden, und die Stadthaus-, pardon: Townhouse-Idee ist faszinierend, in der Praxis allerdings ernüchternd. Im Senat sieht man „Potenziale“ für viel mehr Eigenheime dieser Art, auch auf einem Areal, das derzeit wie tot wirkt und dringend eine Wiederbelebung braucht. Aber müssen es, ein paar Schritte vom Schlossplatz entfernt, wirklich wieder Reihenhäuser sein? Vielleicht wird hier mal das Schloss gebaut und dann als großer historischer Wurf gefeiert. Und gleich nebenan stehen dann verschachtelte Reihenhäuschen, von deren Veranden Gartenzwerge grüßen? Dann lieber eine tote Ecke lassen und keine Chancen idyllisch verbauen. Wir sind Hauptstadt.

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