Berlin : Zu viel verschrieben: Achtzig Ärzte müssen zahlen

Krankenkassen fordern 2,5 Millionen Euro für das Jahr 1999 zurück

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Berliner Mediziner werden für zu viel verordnete Medikamente zur Kasse gebeten. 80 Ärzte, die im Jahr 1999 ungerechtfertigt die ihnen zugewiesenen Arzneimittelbudgets um mindestens 25 Prozent überschritten haben, sollen dafür 2,5 Millionen Euro an die Krankenkassen zurückzahlen. Darunter sind 16 Doktoren, die sechsstellige Beträge berappen müssen. Die höchste Summe kommt auf einen Orthopäden zu: 500 000 Euro. „Das könnte die wirtschaftliche Existenz kosten“, sagt die Sprecherin der Berliner Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Annette Kurth.

Hintergrund: Jedem der rund 6000 Berliner Kassenärzte steht pro Patient und Quartal nur ein bestimmter Betrag zur Verfügung, der für Medikamente verbraucht werden darf. Ein Prüfgremium, in dem paritätisch Vertreter der Krankenkassen und der KV sitzen, behält die Verschreibungspraxis der Mediziner im Auge und spricht gegebenenfalls Regresse aus. Erstmals gab es solche Prüfungen für das Jahr 1998. Bei diesen Kontrollen fielen 70 Ärzte wegen überhöhter Arzneiverordnungen auf. Von ihnen wurden insgesamt 2,2 Millionen Euro zurückgefordert – allerdings ist dieses Verfahren noch in der Schwebe, weil 25 Mediziner gegen den Regress geklagt hatten und in der ersten Instanz Recht bekamen (wir berichteten).

Auch für das Jahr 2000 werden Ärzte mit Regressforderungen leben müssen. Eine erste grobe Prüfung ergab, dass rund 720 Mediziner ihre Richtgrößen um mindestens 25 Prozent überschritten haben. Doch die meisten von ihnen werden das im Prüfungsverfahren auch schlüssig begründen können, zum Beispiel weil sie sehr teure Patienten behandeln, wie Diabetiker oder AidsKranke. Weniger als zehn Prozent von ihnen werden tatsächlich in Regress genommen.

Die ab 2002 für die Berliner Ärzte gültigen Budgets sind den höheren Ausgaben angepasst. Der Vorsitzende der Berliner KV, Manfred Richter-Reichhelm, rechnet deswegen damit, dass dann weniger Mediziner Regressforderungen erhalten. Sollte sich Gesundheitsministerin Ulla Schmidt jedoch mit ihren Reformen durchsetzen, dann sei es mit der Erleichterung wieder vorbei. Prinzipiell seien die Richtgrößenprüfungen aber ein „notwendiges Übel“, um die Arzneimittelausgaben in den Griff zu bekommen, sagt der KV-Chef dem Tagesspiegel.

Patienten eines Arztes, der eine solche Prüfung hinter sich gebracht hat, werden einen Doktor vorfinden, der lieber ein (billigeres) Nachahmerpräparat verschreibt, als das (teure) Original und manchmal auch auf eine unnötige Arznei verzichtet. I.B.

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