• Zu wenig Erzieherinnen in Brandenburger Kitas Studie: Halb so viel Personal wie empfohlen

Berlin : Zu wenig Erzieherinnen in Brandenburger Kitas Studie: Halb so viel Personal wie empfohlen

Landesregierung verweist auf knappe Kassen.

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Gütersloh/Potsdam - Das Land Brandenburg hat im Bundesvergleich proportional die wenigsten Kita-Erzieherinnen für Kinder unter drei Jahren. Das geht aus dem diesjährigen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmannstiftung in Gütersloh hervor. Während die Stiftung selbst für „eine qualitativ hochwertige Betreuung“ ein Verhältnis von maximal drei Kita-Kindern zu einer pädagogischen Fachkraft empfiehlt, liege der Erzieherschlüssel im Land Brandenburg derzeit für Kinder bis drei Jahren bei eins zu 6,2, heißt es in der bundesweiten Kita-Studie. „Einen ungünstigeren Personalschlüssel hat kein anderes Bundesland“, sagte Projektleiterin Kathrin Bock-Famulladen. Beim Vorletzten im Länderranking, Sachsen-Anhalt, liegt das Verhältnis bei eins zu 6,1. Den besten Schlüssel hat das Saarland, nämlich eins zu 3,2.

Kritisch sehen die Bildungsexperten aus Gütersloh auch den hohen Anteil an teilzeitbeschäftigten Erziehern in Brandenburg. Rund 80 Prozent der landesweit 15 700 pädagogischen Fachkräfte würden nur halbtags arbeiten, heißt es im Ländermonitor. Schon der Bundesdurchschnitt von knapp 60 Prozent sei im Vergleich zu anderen Branchen sehr hoch. „Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität außerfamiliärer Kinderbetreuung“, sagt Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Positiv wirkte sich jedoch aus, dass sich der Anteil der vollbeschäftigten Erzieher seit 2006 um rund fünf Prozent erhöht habe. Nach wie vor aber seien 58 Prozent der seitdem neu geschaffenen Arbeitsplätze Teilzeitstellen. Im hohen Anteil der Teilzeit-Erzieher gebe es auch ein Potenzial, um den zu erwartenden Erzieherengpass abzumildern. Denn entgegen bisheriger Experteneinschätzungen werde der ab 1. August 2013 gültige Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr auch in Ostdeutschland zu einem Fachkräftebedarf führen, der durch den hohen Altersdurchschnitt der Pädagogen verschärft werde. Fast 20 Prozent aller Erzieher in Brandenburg sind 55 Jahre und älter. Nicht einmal ein Drittel ist jünger als 40 Jahre. Um den Betreuungsanspruch zu sichern, müssten Politik und Kita-Träger Anreize schaffen, damit möglichst viele Teilzeitbeschäftigte ihre Stundenzahl erhöhen, so Stiftungsvorstand Dräger.

Hinsichtlich der Kritik am Erzieherschlüssel verweist man im brandenburgischen Bildungsministerium auf die Kassenlage des Landes. Zwar sei ein Schlüssel, wie ihn die Stiftung vorschlage, pädagogisch wünschenswert, jedoch sei er für Brandenburg nicht bezahlbar, sagte Ministeriumssprecherin Antje Grabley. Zudem habe man das zahlenmäßige Verhältnis von Erziehern zu unter dreijährigen Kita-Kindern gemäß des Koalitionsvertrages bereits von eins zu sieben auf eins zu sechs verbessert. „Allein das kostet das Land jährlich 36 Millionen Euro“, sagte Grabley. Auf die hohe Zahl der Teilzeitbeschäftigten hingegen habe man keinen Einfluss, sie sei den Umbrüchen der Wendezeit geschuldet. „Für die Arbeitsverträge sind die Kommunen und die freien Träger verantwortlich.“

Mit einem zusätzlichen Erzieherbedarf wegen der kommenden Kitaplatz-Garantie rechnet das Bildungsministerium ohnehin nicht. Schon jetzt besuchten 55 Prozent aller Unterdreijährigen im Land eine Kita. Damit sei die Vorgabe der Bundesregierung, für wenigstens 35 Prozent der 2013 Anspruchsberechtigten einen Platz bieten zu können, bereits mehr als erfüllt, so die Ministeriumssprecherin. „Wir machen uns keine Sorgen.“

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