Zu wenig Lohn : Viele Azubis müssen nebenher jobben

Es reicht hinten und vorne nicht: Mehr als 8000 der 68.000 Auszubildenden in Berlin und Brandenburg müssen nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zusätzlich zur Berufsausbildung einen Nebenjob annehmen, um ihre Existenz zu sichern. Der Durchschnittslohn beträgt 350 Euro.

Patricia Hecht

„Das ist ein Skandal“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, als sie am Dienstag den Ausbildungsreport 2008 für die Region vorstellte. Der DGB fordert eine Mindestvergütung für Azubis in Höhe von 500 Euro monatlich.

Obwohl es für Jugendliche einfacher als in Vorjahren war, einen Ausbildungsplatz zu finden, ist die Zahl der Ausbildungsplätze laut DGB gesunken. Die Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt lasse sich darauf zurückführen, dass aufgrund des „Geburtenknicks“ 2008 ein Viertel weniger Bewerber auf Stellensuche gingen als 2007. Die Bewerberzahl sank auf 48 900, die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze nahm um 2600 auf 36 200 ab. Mehr als 12 000 Jugendliche bleiben bis zum Jahresende wohl ohne Lehrstelle.

Nur etwa jede zweite Ausbildung wird laut Report in einem Unternehmen durchgeführt. Bei außerbetrieblichen Ausbildungen liege die Vergütung teilweise erheblich unter den tariflichen Regelungen, auch Überstunden würden oft nicht abgegolten. Durchschnittlich verdiene ein Azubi nur 350 Euro im Monat. Von der Industrie- und Handelskammer wurde der Vorwurf für den betrieblichen Bereich zurückgewiesen. Bei Ausbildungen im Bereich der IHK liege die Vergütung im ersten Lehrjahr zwischen 335 und 816 Euro, sagte Bereichsleiterin Eleonore Bausch.

Nicht auf Nebenjobs angewiesen sind vermutlich die Top-Azubis Deutschlands, die am Montag von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) im Palais am Funkturm für ihre Leistungen geehrt wurden. 330 000 Azubis aus ganz Deutschland hatten dieses Jahr an den Abschlussprüfungen teilgenommen. Unter den 229 Bundesbesten, die ihre Prüfung mit „sehr gut“ bestanden hatten, waren acht Berliner und sechs Brandenburger.

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