• Zu wenig Mitarbeiter nach Privatisierung: Die Post hat massive Zustellprobleme bei den Osterpaketen

Zu wenig Mitarbeiter nach Privatisierung : Die Post hat massive Zustellprobleme bei den Osterpaketen

Tausende von Sendungen stapeln sich derzeit in den Paketzentren der Post, die unter Personalmangel leidet. Nur langsam kommt dort die Ware an. Und nun wird weitergestreikt.

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In den Verteilzentren der Post stapeln sich die Pakete.
In den Verteilzentren der Post stapeln sich die Pakete.Foto: Bernd Wüstnec

Postkunden brauchen dieser Tage starke Nerven. Zwölf Tage wartete ein Mann auf seine Medikamente – bestellt im Internet. Ebenfalls im Internet konnte er auf der Seite „Sendungsverfolgung“ sehen, wo sie abgeblieben waren: in einem Paketzentrum der Post. Und rührten sich dort nicht vom Fleck. Auch Bodo Schulz musste mehrere Tage lang feststellen, dass seine bestellten Ersatzteile in einem Lieferfahrzeug der Post lagen – und dort blieben. Zustellversuche habe es nicht gegeben. Keine Einzelfälle.

Tausende von Sendungen stapelten sich derzeit in den Paketzentren, sagte Benita Unger von der Gewerkschaft Verdi am Donnerstag dem Tagesspiegel. Verursacht durch Streiks, aber vor allem durch eine Umorganisation bei der Post, derzufolge jetzt Zusteller fehlten. Verschärft wird die Lage, weil am Donnerstagnachmittag erneut in den Paketzentren in Börnicke bei Nauen und Rüdersdorf gestreikt wurde. Dort werden die Sendungen von und nach Berlin sortiert – täglich rund 260 000.

Nicht alle Mitarbeiter wollten ins Tochterunternehmen wechseln

Die Post hat Anfang April einen Teil der Zustellung ihrem neu gegründeten Tochterunternehmen DHL Delivery übertragen. Dorthin sollten Mitarbeiter wechseln, die bisher beim Mutterkonzern nur einen befristeten Vertrag hatten. 400 solcher Stellen habe es in Berlin gegeben, sagte Unger. Und nicht alle Mitarbeiter hätten das Angebot – mit geringeren Bezügen – angenommen. Postsprecherin Anke Blenn bestätigte, dass es einen Personalengpass gibt. Er sei aber vor allem auf einen hohen Krankenstand zurückzuführen. Zudem sei die Region von den Streiks besonders betroffen gewesen. Blenn bestätigte außerdem, dass Zustelltouren verändert worden sind, wodurch sich die Bereiche zum Teil nach Angaben von Unger auch vergrößert haben. Ein Zusteller sagte, er habe rund 200 Sendungen im Fahrzeug; eine Menge, die er auch beim besten Willen nicht bei einer Tour zustellen könne. Stattdessen gibt’s die Mitteilung, man könne die Sendung in einer Postfiliale abholen.

Die Post hat Aufgaben an private Agenturen übergeben

Und dort kann es dann weitere Überraschungen geben. Die Post hat ihre Filialen aufgegeben. Die Aufgaben haben private Agenturen oder die ehemaligen Kollegen der Postbank in ihren Finanzcentern übernommen. Doch auch die Postbanker sind im Ausstand. Am Mittwoch stimmten sie ab, ob es nach Warnstreiks jetzt zu einem regulären Streik kommen soll. Die Filialen waren deshalb geschlossen. Auf der von der Post eingerichteten Internetseite mit Streikinfos war davon aber nichts zu lesen. Bodo Schulz, dessen Ersatzteile im Zustellfahrzeug gelegen hatten, machte extra früher Schluss von der Arbeit, um die Sendung in der Filiale abzuholen – und stand vor verschlossenen Türen. Die Post habe auf ihrer Seite dazu nichts mitgeteilt, weil Post und Postbank nicht mehr zusammengehörten, sagte Blenn.

Ende des Jahres sollen die Probleme mit der Neuorganisation behoben sein, sagte die Postsprecherin. Vielleicht kommen dann ja die Weihnachtspäckchen pünktlich an.

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