Berlin : Zu wenig Spenden für Garnisonkirche

Stiftung für den Wiederaufbau will jetzt doch öffentliche Gelder beantragen Altbischof Huber möchte in dem Haus an tote Bundeswehrsoldaten erinnern.

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Bild aus der Zukunft. So könnte die Kirche eines Tages aussehen.  Simulation: Arte4D
Bild aus der Zukunft. So könnte die Kirche eines Tages aussehen.  Simulation: Arte4D

Potsdam - In den Wiederaufbau der Garnisonkirche sollen nun doch öffentliche Gelder fließen – ginge es nach den Initiatoren des Projekts. Es sei denkbar, dass bis zu einem Drittel der auf rund 100 Millionen Euro geschätzten Kosten aus Fördermitteln zum Beispiel von Stadt, Land, Bund oder der EU kommen. Das sagte Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der kirchlichen Stiftung Garnisonkirche. Bislang wollte diese den Aufbau allein aus Privatspenden stemmen. Potsdams SPD-Chef Mike Schubert hält die angeregte öffentliche Förderung für „fast undenkbar.“ Das überfordere die Stadt finanziell. Die CDU erklärte dagegen, man dürfe keine Chance ungenutzt lassen, um neue Geldquellen zu erschließen.

Lediglich die Stadt Potsdam wollte die Kosten für Abrissarbeiten und Straßenumbauten an dem Gelände übernehmen. Zudem hatte das Land rund zwei Millionen Euro aus dem ehemaligen DDR-Parteivermögen zur Verfügung gestellt, sowie 77 000 Euro aus Lottomitteln. Mehr Geld soll nicht fließen, hieß es noch kürzlich bei Land, Stadt und auch von der Evangelischen Landeskirche. Stiftungschef Leinemann verweist hingegen auf den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Dort sei solch eine Drittelung der Kosten erfolgt.

„Es wäre unredlich zu sagen: Wir werden keine Fördermittel anfragen oder ablehnen“, sagte Leinemann weiter. Ein Drittel der Kosten könne über kleine und mittlere Privatspenden abgedeckt werden, ein weiteres Drittel wolle man von Mäzenen sammeln, die mindestens 500 000 Euro überweisen müssen, um diesen Status zu erhalten. Die öffentliche Hand könnte dann das letzte fehlende Drittel, also rund 33 Millionen Euro übernehmen. Konkrete Anfragen gebe es im Augenblick nicht, sagte Leinemann. „Der nächste bedeutende Schritt muss zunächst aus dem privaten Bereich kommen.“ Er zeigte sich zuversichtlich, noch in diesem Jahr Spenden von bis zu zehn Millionen Euro zu erhalten. Mit dem Geld wolle man zunächst den Aufbau des Kirchturms vorantreiben. Das 40 Millionen Euro teure und 88 Meter hohe Bauwerk soll bis 2017 stehen. Noch wurden erst rund zwei Millionen Euro an Spenden gesammelt.

Doch gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche gibt es Widerstand. Der ist in der Geschichte des Gotteshauses begründet, das mit dem „Tag von Potsdam“ verbunden wird. Am 21. März 1933 reichten sich Reichskanzler Hitler und Reichspräsident Hindenburg hier die Hände. Bei einem alliierten Luftangriff am 14. April 1945 wurde die Kirche zerstört und deren Ruine im Juni 1968 auf Veranlassung der DDR-Führung gesprengt. Im Oktober 1990 beschlossen die Stadtverordneten, dass die Kirche in einer wirtschaftlich gesicherten Zukunft der Stadt ihren Platz finden werde. Bislang stehen erst ein Torbogen und eine temporäre Kapelle.

Anlass für Diskussionen bot auch eine eine Aussage von Altbischof Wolfgang Huber im Deutschlandfunk: Demnach könnte die Garnisonkirche zu einem Ort werden, an dem „in einer besonderen Form an diejenigen erinnert wird, die in Bundeswehreinsätzen der neueren Zeit ums Leben gekommen sind“, Doch einig scheint man sich darüber selbst bei der Kirche nicht: Juliane Rumpel, Pfarrerin der Garnisonkirchengemeinde, stellte klar, dass die Kirche kein Ort der Ehrung toter Soldaten werden solle. Tobias Reichelt

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