• Zu wenig Zeit für zu viel Dreck: Gewerkschaft verteidigt Berliner Schul-Reinigungskräfte

Zu wenig Zeit für zu viel Dreck : Gewerkschaft verteidigt Berliner Schul-Reinigungskräfte

An vielen Berliner Schulen herrschen miserable hygienische Bedingungen. Die IG Bau warnt vor Preis-Dumping im Reinigungsgewerbe und den Folgen für die Beschäftigten. Auch die Politik befasst sich inzwischen mit dem Thema.

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Wie können Berlins Schulen sauberer werden? Diese Frage beschäftigt nun auch die Politik.
Wie können Berlins Schulen sauberer werden? Diese Frage beschäftigt nun auch die Politik.Foto: dpa

Der Preiskampf bei der Schulreinigung führt offenbar nicht nur zu schmutzigen Klassenräumen, sondern befördert auch schlechte Arbeitsbedingungen. Die Industrie-Gewerkschaft Bau warnte jetzt vor „Dumping-Unternehmen, die den Preisdruck auf dem Markt weiter erhöhen“. In der Folge bekämen Reinigungskräfte „enorme Flächen aufgebrummt, die sie in kürzester Zeit zu putzen haben“. Die Folge sei Mehrarbeit, die oftmals nicht bezahlt werde, heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Zudem liege ihr der Nachweis vor, dass Frauen in den Arbeitsverträgen angeben müssten, ob sie schwanger seien.

Ausgelöst wurde die jüngste Debatte durch 14 besonders schmutzige Schulen in Friedrichshain-Kreuzberg, die sich schließlich zur Wehr setzten. Die betreffende Firma Putz-Zeit Berlin GmbH reinigt weiterhin an 31 Schulen im Bezirk, für die 14 wurde ein anderes Unternehmen engagiert. Die Firma weist die Kritik zurück und betont, dass es sich an die Vorgaben der Ausschreibung gehalten habe.

Angesichts der brisanten hygienischen Bedingungen an den Schulen auch in anderen Bezirken setzte die Bildungsexpertin der Grünen, Stefanie Remlinger, das Thema am Mittwoch im Hauptausschuss auf die Tagesordnung. Der Bildungsstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Peter Beckers (SPD), schlug dort vor, dass der Senat eine Musterausschreibung erarbeiten solle, damit der Spardruck der Bezirke nicht zu immer weniger Reinigungsleistung führe. Es müsse auch genügend Hausmeister geben, die die Putzfirmen kontrollieren könnten, forderte Beckers.

Die Bildungsverwaltung regte an, eine Fachtagung zu dem Thema abzuhalten. Brisant ist, dass sie an den Schulen einen Musterhygieneplan verbreitet, der die tägliche Reinigung der Klassenräume und Flure empfiehlt - wohl wissend, dass die meisten Bezirke nur halb so oft putzen lassen, um mit ihren Landeszuweisungen auszukommen.

Alle Infos zur Kritik der Gewerkschaft mit Belegen bei der IG Bau.

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