Berlin : Züge sind häufig verspätet und zu dreckig

Berlin und Brandenburg fordern Geld zurück, weil die Bahn Vorgaben des Vertrages nicht einhält

Klaus Kurpjuweit

Pünktlich wie die Eisenbahn? Das war einmal. Auch im vergangenen Jahr hat es die Bahn nicht geschafft, immer so zu fahren, wie es der Fahrplan vorsah. Weil die Verspätungsrate höher war, als die Bahn im Verkehrsvertrag mit Berlin und Brandenburg vereinbart hat, muss sie wie in den Vorjahren wahrscheinlich etwa fünf Millionen Euro zurückzahlen. Insgesamt erhielt die Bahn für den Regionalverkehr 289 Millionen Euro als Zuschuss von den Ländern. „Strafe“ muss die Bahn außerdem zahlen, weil die Züge zu oft nicht so sauber waren wie vorgeschrieben.

Dass Züge einige Minuten zu spät ankommen oder abfahren, gehört fast zum Alltag. Denn auf dem Abschnitt der Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof fahren die Züge in einem so dichten Abstand, dass sich die Verspätung eines Zuges sofort auf den gesamten Verkehr auswirkt. Doch häufig kommen die Züge dort auch bereits verspätet an, so dass diese Begründung dann nicht gilt.

Schon im Vorjahr hatte ein Fahrgast aus Zehlendorf, der werktags täglich mit dem Regionalexpress von Wannsee zum Alexanderplatz fährt, mehrfach bei der Bahn moniert, das nach seinen Erfahrungen mehr als die Hälfte der Züge regelmäßig mindestens fünf bis zehn Minuten zu spät kamen. Geändert hat sich nicht viel.

Die Bahn leidet dabei zum Teil unter ihrem eigenen Erfolg. Auf der Linie RE 1 von Magdeburg/Brandenburg über Berlin nach Frankfurt (Oder)/Eisenhüttenstadt fahren so viele Fahrgäste mit, dass die vorgesehene Zeit zum Ein- und Aussteigen auf den Bahnhöfen oft nicht ausreicht. Bei mehreren Stopps ist dann schnell die Verspätung erreicht.

Besondere Probleme hatte die Bahn im vergangenen Jahr aber vor allem auf der Linie RE 6 von Wittenberge über Neuruppin und Hennigsdorf nach Charlottenburg. Dort gab es nicht nur sehr häufig Verspätungen; oft fielen die Züge komplett aus. Über Wochen gab es technische Schwierigkeiten mit dem neuen elektronischen Stellwerk. Und wenn die Züge kommen, sind sie häufig verdreckt, was auch zum Abzug bei den Zahlungen führt. Die Bahn lässt viele Züge im Nahverkehr ohne Zugbegleiter fahren. Wo niemand aufpasst, häuft sich der Dreck, den „Fahrgäste“ hinterlassen.

Besser dran als der Regionalverkehr ist die S-Bahn. Auch sie hat die Vorgaben nicht komplett erfüllt. Weil bei ihr die Verspätungen aber vor allem durch die vielen Baustellen im gesamten Netz bedingt seien, will der Senat hier – noch – auf Rückzahlungen verzichten. Die S-Bahn erhält jährlich 234 Millionen Euro vom Senat als Zuschuss. Mit der Nachsicht soll es allerdings vorbei sein, wenn die Großbaustellen abgeschlossen sind.

Noch besser steht die BVG da. Beim landeseigenen Unternehmen sind keine Sanktionen vorgesehen, wenn Bahnen zu spät kommen, ausfallen oder zu schmutzig sind. Eine „Strafzahlung“ sehe der Vertrag nicht vor, heißt es bei der Verkehrsverwaltung. Ein neuer wird frühestens für 2008 abgeschlossen. Der Zuschuss betrug rund 420 Millionen Euro.

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