Berlin : Zufrieden sind wenige

Wie Mitarbeiter im öffentlichen Dienst den Abschluss bewerten: Arbeitsplatzsicherung ist wichtiger als Lohnerhöhung

Heiko Wiegand

BVG-Personalrat Georg Schimmele ist vom Ergebnis der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst nicht begeistert. „Die 2,4 Prozent mehr Geld für uns werden von der Inflation und dem Tag Mehrarbeit fast wieder aufgefressen“, sagt er. Drei Prozent mehr Lohn und Gehalt ohne Mehrarbeit wären das Mindeste gewesen, was die Dienstleistungsgewerkschaft für Schimmele und seine Kollegen bei den Tarifverhandlungen hätte herausholen sollen. „Das sehen viele meiner Kollegen auch so“, fügt er hinzu. Beispielsweise die BVG-Arbeiterin Manuela Timm, die gestern vor dem Bahnhof Innsbrucker Platz Sand auf die Gehwege streute: „Mindestens drei Prozent mehr hätte ich schon erwartet. Die Mieten werden schließlich auch immer teurer.“

Zufriedenheit dagegen bei BSR-Mitarbeiterin Gabriele Grüber: „Die Wirtschaft ist im Moment so am Boden, dass die 2,4 Prozent in Ordnung gehen. Ich kann damit leben“, sagt das Verdi-Mitglied aus der Telefonvermittlung. Wichtig sei vor allem, dass sie überhaupt Arbeit habe.

Gemischte Reaktionen sind an der Basis der Dienstleistungsgewerkschaft überall zu hören. „Auf die 2,4-prozentige Lohnerhöhung kommt es doch gar nicht so an. Viel wichtiger ist die Sicherung unserer Arbeitsplätze auf lange Sicht. Davon war in den Verhandlungen nicht die Rede“, klagt am Nollendorfplatz eine BVG-Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen will.

Größer ist der Unmut freilich bei denen, die ab 1. April gänzlich leer ausgehen: Den Beschäftigten des Landes Berlin und seiner Bezirke. Über die Nullrunde ist der Erzieher Hartmut Bekemeier stinksauer. „Was Innensenator Körting da mit dem Ausstieg aus den bundesweiten Tarifverhandlungen gemacht hat, ist unglaublich.“ Bekemeier arbeitet in der Kindertagesstätte an der Freiherr-vom- Stein-Straße in Schöneberg. Er würde mit seinen Kollegen sofort auf die Straße gehen, um für bessere Tarifbedingungen zu demonstrieren – das Dienstrecht erlaubt es aber nicht.

Auch Regina Schönwälder aus der Meldestelle im Rathaus Schöneberg ärgert sich: „Was soll man davon halten, dass wir von der Tariferhöhung ausgeschlossen sind? Gar nichts! Die Stimmung bei den Kollegen ist auf dem Tiefpunkt.“

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