Zufriedenheit im Job : Pfleger fühlen sich überfordert

Wenig Geld, lange Dienstzeiten, kaum Aufstiegsschancen. Alten- und Krankenpfleger beurteilen ihre Arbeitsbedingungen als schlecht. Viele wollen laut einer neuen Studie vor der Rente aufhören.

Hannes Heine

Bei der Zufriedenheit lägen die Beschäftigten in Pflegeberufen unter dem Durchschnitt aller Branchen, teilte die Gewerkschaft Verdi mit, die sich auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) stützt. Vor allem wegen der Nachtschichten, dem Heben schwerer Lasten und der stressreichen Kommunikation mit Patienten glaubt jede zweite Pflegekraft, dass sie nicht bis zum Rentenalter arbeiten kann. Bundesweit findet die Hälfte der Altenpfleger und Krankenschwestern, dass sie schlechter als andere Berufe dastehen.

„In Berlin ist die Lage oft noch ein bisschen schlimmer“, sagte Michael Musall, Pflegeexperte bei Verdi. Die Krankenpfleger überschreiten der Untersuchung zufolge die vereinbarte Wochenarbeitszeit von knapp 40 Stunden im Schnitt um zehn Prozent. In der Altenpflege werden noch mehr Überstunden gemacht. Betriebsräten zufolge verdienen 40 Prozent der Krankenschwestern weniger als 2 000 Euro brutto. Doch auch in den Kliniken, die mit Verdi in Berlin Tarifverträge abgeschlossen haben, bekommen Pflegekräfte oft nicht viel mehr. Eine 31-jährige Schwester mit einem Kind erhalte laut Verdi nach zehn Jahren Berufserfahrung bei Helios 2330 Euro brutto. Im Uniklinikum Charité bekommt die gleiche Schwester 2420 Euro. Verdi fordert bei Helios eine Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) – was etwa acht Prozent mehr Lohn bedeuten würde. „Die Verhandlungen gestalten sich schwierig“, heißt es von Mitarbeitern aus dem Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf. Die Forderung sei zu hoch, sagte eine Sprecherin von Helios, das auch das Klinikum in Buch betreibt. Man verhandele aber vertrauensvoll mit der Gewerkschaft. Noch dramatischer sehe es in den Seniorenheimen aus. Jeder zweite Vollzeitfachpfleger, klagt Verdi, bekomme nur 1500 Euro brutto – Tarifverträge in Altenheimen sind selten. Hannes Heine

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