Zug der Erinnerung : Bahn bleibt stur

Im Streit um die Haltebahnhöfe der mobilen Ausstellung "Zug der Erinnerung" ist ein Vermittlungsversuch der Bundesnetzagentur gescheitert. Die Bahn bleibt stur und lässt den Zug nicht im Hauptbahnhof halten.

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Die mobile Ausstellung "Zug der Erinnerung" hat Halteverbot im Berliner Hauptbahnhof.-Foto: dpa

BerlinDer "Zug der Erinnerung" mit einer Ausstellung über die Deportationen in Nazi-Deutschland darf an diesem Wochenende nicht in den Berliner Hauptbahnhof einfahren. Die für den Wettbewerb auf dem Schienennetz zuständige Behörde beanstandete den abgelehnten Aufenthalt des Zuges im Hauptbahnhof formal nicht. Die Bundesnetzagentur konnte aber auch keine Einigung zwischen der Initiative des Gedenkzuges und der Deutschen Bahn herbeiführen. Netzagentur-Präsident Matthias Kurth zeigte sich über das Verhalten der Bahn enttäuscht. Der Verein "Zug der Erinnerung" besteht weiterhin auf einer Präsentation der Ausstellung in Eisenbahnwaggons auf dem Hauptbahnhof.

Vermittlungsversuch ist gescheitert

Bei einer Anhörung mit beiden Streitparteien ist nach Angaben Kurths in der Sache kein Kompromiss gefunden worden. "Leider ist das Eisenbahnrecht nicht die geeignete Grundlage, dieses historisch bedeutsame und sensible Anliegen sachgerecht zu lösen", sagte Kurth.

Die Bahn verwies darauf, dass der vom Trägerverein des Gedenkzuges gewünschte zweitägige Aufenthalt im Hauptbahnhof am Sonntag und Montag "in Berlin zu erheblichen Verspätungen und Verkehrsproblemen" führen würde. Diese Schwierigkeiten rechtfertigen es nach Ansicht des Vereins aber nicht, dem Gedenkzug die Einfahrt in den Hauptbahnhof zu verwehren. Vereinsvorsitzender Hans-Rüdiger Minow erinnerte daran, dass vom damaligen Lehrter Bahnhof in den Jahren 1941/42 mehr als 7000 Menschen deportiert worden seien.

Verhalten der Bahn ist enttäuschend

Netzagentur-Präsident Kurth appellierte in Bonn an den Bahnvorstand, der Ausstellung "eine Möglichkeit zur angemessenen Präsentation im Berliner Hauptbahnhof zu geben". Er sei "enttäuscht darüber, dass dem entsprechenden Antrag aus verkehrlichen und betrieblichen Gründen "noch nicht entsprochen worden" sei. Die Bahn bot der Initiative nochmals sechs andere Berliner Bahnhöfe als Standorte für den Zug an. Drei davon hatte sich der Trägerverein selbst für den insgesamt zehntägigen Aufenthalt in der Hauptstadt gewünscht.

Die Bahn forderte die Initiative auf, den "von ihr ideologisch geführten Konflikt zu beenden". So hätten die Ausstellungsmacher am Mittwoch erneut eine Fahrt des Gedenkzuges an das Mahnmal "Gleis 17" im ehemaligen Deportationsbahnhof Berlin-Grunewald beantragt. Dieses Mahnmal sei seit Jahren vom Schienennetz abgetrennt und für Züge nicht erreichbar. Minow sagte dazu, der Verein werde missverstanden. Er wolle seinen Gedenkzug nicht auf das Gleis des Mahnmals fahren lassen, sondern auf ein benachbartes Gleis mit Bahnsteig. (th/dpa)

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