Berlin : „Zug der Erinnerung“ boykottiert Brandenburg

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Friesenhagen - Der „Zug der Erinnerung“ an von den Nationalsozialisten deportierte und ermordete jüdische Kinder hält nicht mehr in Brandenburg. Der Trägerverein aus Friesenhagen begründet seine Entscheidung mit „politischen Kontrollversuchen im Gewand bürokratischer Anmaßung“ und unzureichender Förderung des Projektes durch die Staatskanzlei. „Wir sind es leid: Wir meiden das Land, wir werden den Zug hier nicht mehr fahren lassen“, sagte Sprecher Hans-Rüdiger Minow. Selbstverständlich rolle der Zug weiter durch die Bundesrepublik und Nachbarländer.

Seit 2007 erinnert die Wanderausstellung in Waggons, die von einer Dampflok gezogen werden, an das Schicksal von rund 1,5 Millionen mit Hilfe der Reichsbahn in Konzentrations- und Vernichtungslager deportierte jüdische Kinder. Der Verein war 2010 von der EU-Kommission mit einem Preis für bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet worden. In Brandenburg machte der Zug zuletzt 2010 Station, in Cottbus, Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder) und Guben. Zu den Gesamtkosten von 40 000 Euro hatte die Staatskanzlei laut Minow „marginale 4000 Euro“ beigesteuert. Um die haushaltsrechtlichen Nachweise dafür wird seitdem gestritten. Man müsse sich auch rechtfertigen, warum eine Broschüre in polnischer Sprache finanziert worden sei und der Zug in Guben länger hielt. Man habe auf „revisonistische“ Vorfälle reagiert, sagt Minow. Regierungssprecher Thomas Braune wies die „diffamierenden Vorwürfe“ zurück. Verwendungsnachweise seien nach der Haushaltsordnung zwingend. Man sei an einer raschen Klärung interessiert. Thorsten Metzner

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