Berlin : Zug überrollte Kind – es blieb unverletzt

Zeuge: Junge balancierte auf der Bahnsteigkante S-Bahnzüge blieben zwei Stunden liegen

Werner Schmidt

Unglaubliches Glück hatte ein Junge, der am Montagnachmittag auf dem S-Bahnhof Yorckstraße von einem Zug überrollt wurde. Das etwa zehn Jahre alte Kind fiel zwischen die Schienen und blieb unverletzt. Fahrgäste zogen den Jungen auf den Bahnsteig, dann verschwand er spurlos. Der Vorfall löste ein Chaos bei der S-Bahn aus: Über zwei Stunden gab es für die S-Bahnzüge der Linien S2 und S25 zwischen Yorckstraße und Anhalter Bahnhof kein Vor und kein Zurück. Wie in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe berichtet, mussten Fahrgäste fast zwei Stunden in den Zügen ausharren, bis Mitarbeiter der S-Bahn sie zum nahe gelegen Bahnhof führten. S-Bahn-Bereichsleiter Eberhard Lorenz bedauerte dies und sprach am Dienstag von einer Verkettung unglücklicher Umstände. Bereits in den frühen Morgenstunden sei ein S-Bahnzug nahe dem Bahnhof Savignyplatz wegen eines technischen Defekts liegen geblieben. Hier mussten die Fahrgäste 39 Minuten warten, bis der Zug zur nächsten Station geschoben wurde.

Auslöser für das Debakel an der Yorckstraße war der Junge, der nach Auskunft von Lorenz auf der Bahnsteigkante balancierte. Der Fahrer des aus Richtung Potsdamer Platz kommenden Zuges habe gebremst und gehupt. Das Kind verlor das Gleichgewicht, stürzte ins Gleisbett und wurde von zwei Waggons überrollt. Der Zugführer betätigte geistesgegenwärtig den Kurzschließer, wodurch der Strom auf der S2 bis zum Anhalter Bahnhof ausgeschaltet wurde. Dadurch bestand weder für das Kind noch für die Helfer die Gefahr eines Stromschlags – allerdings blieben dadurch auch die beiden folgenden Züge auf der Strecke stehen. Dann begann die Pechsträhne für die S-Bahn: Als der Zug der S2 wieder losfahren sollte, stellte sich heraus, dass sich der Kurzschließer, ein etwa 50 Millimeter dicker Bolzen, an der Stromschiene festgeschweißt hatte. Es dauerte 30 Minuten, ihn zu lösen.

Als der Zug weggeschoben werden sollte, rührte er sich kein Stück: Die Bremsen hatten sich festgefressen. Die Ursache wird noch untersucht. Es dauerte weitere 20 bis 30 Minuten, bis auch dieses Problem gelöst war. Die Fahrgäste saßen inzwischen rund eineinhalb Stunden in den Zügen: „Wir bedauern das außerordentlich“, entschuldigte sich Lorenz. Erst jetzt beschlossen die S-Bahn-Verantwortlichen, Leitern zu holen und die Fahrgäste aussteigen zu lassen. Zur Sicherheit der Fahrgäste lässt die S-Bahn defekte Züge lieber mit den Passagieren abschleppen. Vom Wagen bis zum Gleisbett seien es rund 1,40 Meter – für ältere und behinderte Menschen eine schwer zu überwindende Höhe.

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