Berlin : Zug um Zug teurer

Fahrgäste müssen für Bus und Bahn mehr zahlen Erhöhung soll 27 Millionen Euro in Kassen bringen

Klaus Kurpjuweit

Die Fahrpreise im Nahverkehr werden in einigen Bereichen stärker steigen als bisher geplant. Dafür bleiben, wie es momentan aussieht, die Geschwisterkarte für Schüler und auch die „gleitende Monatskarte“ erhalten. Preiserhöhungen beim Einzelfahrschein, die bisher ausgeschlossen wurden, sind wieder im Gespräch. In den folgenden Tagen gibt es weitere Gespräche der Verkehrsbetriebe und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) mit Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Deren Verwaltung muss die Tarife genehmigen.

Im Grundsatz sind sich die Beteiligten in ihrer jüngsten Runde nach Tagesspiegel-Informationen einig geworden: Die zum 1. August vorgesehene Tariferhöhung soll insgesamt 27 Millionen Euro zusätzlich in die Kassen bringen. Da Junge-Reyer den Vorschlag der Verkehrsbetriebe, das Geschwisterticket abzuschaffen, aber abgelehnt hat, und auch die alternativ erwogene Aufgabe der gleitenden Monatskarte keine Unterstützung fand, fehlen in der Kalkulation aber noch fünf Millionen Euro.

Der Fahrgastverband IGEB hat bereits davor gewarnt, die Tarife für Stammkunden zu stark zu erhöhen. Monats- und Jahreskarten sollten nach den bisherigen Überlegungen vier bis sieben Prozent teurer werden. Eine Jahreskarte ABC sollte statt 755,50 Euro dann 805 Euro kosten.

Die Verkehrsbetriebe erwarteten, dass die Verluste durch abwandernde Kunden geringer seien als die Mehreinnahmen durch die höheren Preise, kritisiert der IGEB-Vorsitzende Christfried Tschepe. Bisher haben die BVG und die S-Bahn, anders als die Betriebe in Brandenburg, die Zahl der Stammkunden trotz der Preissteigerungen der vergangenen Jahre noch konstant halten können. Die Preisschraube dürfe aber nicht überdreht werden, warnt Tschepe.

Die BVG hat bereits mit ihrem neuen Liniennetz viele Fahrgäste verärgert. Zudem gibt es in diesem Jahr erneut zahlreiche Einschränkungen durch Baustellen bei der U- und S-Bahn. In München hatte man 2003 bei ähnlichen Einschränkungen auf Tariferhöhungen verzichtet.

Teurer werden könnte auch der Einzelfahrschein, dessen Preis fürs Stadtgebiet erst im vergangenen Jahr von 2,20 Euro auf 2 Euro gesenkt wurde. Da der Fahrschein seither nicht mehr für die Rückfahrt genutzt werden darf, verteuerten sich Hin- und Rückfahrt innerhalb von zwei Stunden, die vorher mit einem Ticket möglich waren, um 82 Prozent.

Auch Schülerkarten könnten teurer werden. Würde der Preis jeweils um 3 Euro steigen, kämen auch so die geforderten 5 Millionen Euro zusätzlich in die Kassen. Heute kostet die Schülerkarte 26 Euro und die Geschwisterkarte 16 Euro.

Sicher zu sein scheint, dass der Rabatt für Firmentickets gesenkt wird. Statt maximal 15 Prozent soll es dann nur noch 5 Prozent als Rabatt geben. Mittelfristig wollen die Planer das Firmenticket am liebsten abschaffen.

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