Berlin : Zug um Zug zum Lokal

Sanierung des Potsdamer Bürgerbahnhofs beginnt Zunächst öffnet erst einmal ein Biergarten

Peer Straube
Foto: Manfred Thomas
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Potsdam - Nach langwierigen Verhandlungen kann die Sanierung von Potsdams ältestem Bahnhof beginnen. Die Stadt habe ihm die Baugenehmigung für den 1869 erbauten Bürgerbahnhof erteilt, sagte Eigentümer Josef Laggner. Bereits am heutigen Freitag will der Gastronom, der das Krongut Bornstedt und das Berliner „Lutter & Wegner“ betreibt, einen Biergarten mit etwa 150 Plätzen auf dem Grundstück nahe dem Neuen Palais eröffnen. „Die Leute sollen sehen, dass dort endlich etwas passiert“, sagt er. Der Biergarten soll täglich von 9 bis 24 Uhr geöffnet sein. Die Sanierung des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes soll ebenfalls in Kürze beginnen.

Eigentlich wollte Laggner den Bürgerbahnhof, den er zu einem Restaurant mit deutscher Küche machen will, in diesem Sommer eröffnen. Doch um die Baugenehmigung wurde lange gerungen. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) begründete die Verzögerung mit komplizierten Abstimmungen mit der Denkmalpflege. Zuvor hatte ein Streit um den Wert eines früheren Lenné-Gartens an dieser Stelle ebenfalls zu Zeitverzug geführt. Namhafte internationale Denkmalpfleger, darunter Vertreter der Unesco-Organisation Icomos, hatten sich für eine Wiederherstellung des Lenné-Entwurfs starkgemacht. Eine Untersuchung des Landesdenkmalamtes hatte aber ergeben, dass Lennés Entwurf durch den Bau des Bürgerbahnhofs selbst schon 1869 komplett verändert worden und um 1900 bereits nicht mehr erhalten war. Zudem hätten heute etwa 40 über 100 Jahre alte Bäume gefällt werden müssen. Die können nun alle stehen bleiben. Es werde nur Wildwuchs ausgelichtet, sagte Laggner. „Ich brauche ja die Bäume für den Biergarten“, sagte der Gastronom. 1,5 Millionen Euro will er in die Sanierung und Gestaltung des Geländes investieren. Herzstück des Konzeptes ist neben dem Restaurant mit 80 Plätzen der Biergarten, in dem zur Hauptsaison 400 Gäste gleichzeitig bewirtet werden können. Beides will Laggner in Zusammenarbeit mit dem Krongut selbst betreiben. So soll das selbst gebraute Krongut-Bier auch im Bürgerbahnhof ausgeschenkt werden. Das Angebot des Restaurants richtet sich laut Laggner an ein „normales Publikum“. Das aus DDR-Zeiten stammende Nebengebäude westlich des Bahnhofs wird abgerissen und durch einen Neubau für die Toiletten ersetzt. Daneben entsteht ein Parkplatz. Als Ausflugslokal soll der Bürgerbahnhof auch Fahrradstellplätze bekommen.

Die Lage zwischen Uni und Weltkulturerbe sei „interessant“, sagt Laggner. Bis zu 15 000 Menschen stiegen täglich am benachbarten Bahnhof Park Sanssouci ein und aus – Studenten, Pendler und Touristen. Hauptsächlich für die Studierenden sollen ein Zeitungskiosk sowie ein Back- und Coffeeshop eingerichtet werden. Vervollständigt wird das Angebot durch einen Tante-Emma-Laden. Laggner expandiert aber nicht nur in Potsdam. Am neuen Großflughafen BBI wird er vier Lokale eröffnen. Peer Straube

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