• Zugfahren schwer gemacht: Von Irgendwo ins Nirgendwo - Ein Sonntag auf dem Hauptbahnhof

Zugfahren schwer gemacht : Von Irgendwo ins Nirgendwo - Ein Sonntag auf dem Hauptbahnhof

Online ein Ticket buchen, dann die Tochter zum Hauptbahnhof bringen und in den Zug setzen. Klingt einfach und bequem, in der Theorie. Doch die Realität sieht manchmal ganz anders aus. Ein Drama in sieben Akten.

Lorenz Maroldt
Zugfahren vom Hauptbahnhof - manchmal gar nicht so einfach
Zugfahren vom Hauptbahnhof - manchmal gar nicht so einfachFoto: dpa

Die Bahn ist bequem, schnell, lässt sich leicht buchen, hat einen übersichtlichen Onlineauftritt und freundliche Zugbegleiter. Theoretisch also alles toll. Und nun zum Praxistest, hier in sieben Kapiteln.

1) Auf der Fahrkarte nach Köln, gebucht erster Klasse mit reserviertem Sitzplatz, um der alleinreisenden Dreizehnjährigen mit Riesenkoffer das Sonntagnachmittag-Zweiter-Klasse-Chaos zu ersparen, steht eine Abfahrtzeit, die es auf der Abfahrtsübersicht nicht gibt.

2) Der zur ungefähren Zeit nach Köln fahrende Zug hat eine andere als die auf dem Ticket vermerkte Zugnummer. Online stehen weitere nicht existierende Zeiten und Nummern.

3) Am Fuß der Rolltreppe zum ausgewiesenen Bahnsteig (ganz oben) steht eine aktualisierte Abfahrtsinformation mit der geänderten Zeit, aber dem bestätigten Bahnsteig. Es ist die 13 und bringt kein Glück. Oben angekommen, verweist die elektronische Tafel auf einen neuen Bahnsteig. Es ist die 8, ganz unten. Bis dahin zu sehende Bahnmitarbeiter: zwei. Einer reagiert auf die Frage, ob das jetzt alles so richtig sei, mit den Worten: „Ich hoffe“. Der andere sagt nichts, dreht sich weg und flüchtet.

4) Ein Zug fährt ein. Der elektronisch angezeigte Wagenplan, wegen der Zugteilung in Hamm von Bedeutung, erweist sich als exakt falsch herum. Die Leute auf dem vollen Bahnsteig vollziehen den Seitenwechsel, dann ändert sich die Angabe plötzlich wieder. Man sieht kleine Kinder weinen und alte Leute verzweifeln.

5) Der reservierte Platz im Wagen 37 erweist sich als nutzlos. Es gibt einen solchen Wagen nicht. Stattdessen: Stehplatz in Nummer 36. Eine freundliche Zugbegleiterin verspricht, zu helfen.

6) Der Zug fährt ab. Die Zugbegleiterin bleibt verschwunden. Etwas später die Information: Der Zug ist kaputt und fährt zurück nach Berlin Hauptbahnhof.

7) Über die Rolltreppe fließt ein endloser Strom neuer Reisender auf den gefährlich randvollen Bahnsteig. Dann: Ein Zug fährt ein. Angezeigte Abfahrtzeit: längst vorbei. Ziel: Flughafen Köln/Bonn, kein Halt in Köln Hbf. Ziel Anzeige drinnen: Köln Hbf. Die Anzeige ändert sich, dann ändert sie sich wieder. Der Zug fährt ab. Irgendwie. Nach irgendwo. Ankunft: irgendwann. Theoretisch.

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