Zugverbindung : Doch nicht reif für die Insel

Wer mit dem Zug von Berlin nach Usedom will, muss weiter einen Umweg nehmen.. Die Pläne für den Wiederaufbau der direkten Strecke werden vorerst nicht verwirklicht.

Klaus Kurpjuweit
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In gut zwei Stunden mit der Bahn von Berlin nach Usedom – der Traum vieler Ostsee-Urlauber bleibt wohl noch jahrelang unerfüllt. So werden Bahnreisende weiter rund vier Stunden unterwegs sein, ehe man sein Ziel zum Beispiel in Heringsdorf erreicht. Der für kürzere Fahrzeiten erforderliche Bau einer Brücke über den Peenestrom bei Karnin lohnt sich nicht, wie jetzt ein Gutachten ergeben hat. Trotzdem will die Bahn, die gehofft hatte, bereits 2015 auf der kürzeren Strecke fahren zu können, ihre Pläne nicht aufgeben.

Die sogenannte Nutzen-Kosten-Untersuchung durch die Intraplan Consult aus München hat nur einen Wert von 0,73 ergeben. Das heißt, einem investierten Euro stehen rechnerisch nur 73 Cent als Erlös gegenüber. Der Bund fördert aber nur Projekte, die mindestens einen Wert von eins erreichen. Nach bisherigen Berechnungen würde der Wiederaufbau der schnellen Bahnverbindung von Berlin zur Insel Usedom zwischen 120 Millionen Euro und 160 Millionen Euro kosten.

Bis fast zum Ende des Zweiten Weltkrieges zweigten die Züge nach Usedom bei Ducherow von der Hauptstrecke nach Stralsund ab und erreichten die Seebäder über Swinemünde. Spektakulärstes Bauwerk war die Hubbrücke bei Karnin im Peenestrom, die Mitte der 30er Jahre gebaut worden war. Heute ragen nur noch die Reste des Hubteils aus dem Wasser, die Brücke war von der Wehrmacht in den letzten Kriegstagen gesprengt worden.

Jahrzehntelang war Usedom dann nicht mehr direkt mit der Bahn zu erreichen. In der DDR gab es zwar Pläne, die Strecke wieder aufzubauen, was nicht nur am Geld scheiterte. Die Bahn wäre auch zum Teil durch Polen gefahren, denn der östliche Teil der Insel war polnisch geworden. Erst im Mai 2000 war die Lücke im Netz nach einem Brückenneubau bei Wolgast wieder geschlossen. Dort fahren seither die Züge der Usedomer Bäderbahn (UBB). Wer auf diesem Weg auf die Insel möchte, muss in der Regel im Bahnhof Züssow umsteigen und ist erst nach vier Stunden in Heringsdorf. Umsteigefrei geht es immerhin mit dem Usedom-Express, der bis zum 5. Oktober jeweils Freitagnachmittag und Sonntag früh von Berlin nach Usedom fährt, aber auch nicht schneller ist. Vor dem Krieg schafften es die von Dampflokomotiven gezogenen Schnellzüge über die kürzere Strecke immerhin in etwa drei Stunden.

Der Konzernbeauftragte der Bahn für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, Joachim Trettin, hofft aber, dass ein zunehmendes Güteraufkommen im Hafen von Swinemünde, das auf der Schiene weitertransportiert werden könnte, später die Werte einer neuen Wirtschaftlichkeitsrechnung für den Wiederaufbau verbessert. Im Bundesverkehrswegeplan bleibt die Strecke über Karnin jedenfalls enthalten, so dass Berliner Ostseeurlauber von einer kurzen Zugfahrt nach Usedom weiter träumen dürfen.

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