• Zukünftig erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nötig: Strengere Regeln für Charité-Pfleger

Zukünftig erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nötig : Strengere Regeln für Charité-Pfleger

Die Charité geht in die Offensive und will neue Pfleger in Zukunft besser überprüfen. Auch soll die interne Kommunikation verbessert werden, indem ein "Kommunikationsmanager" eingestellt wird. Und sie ist noch immer auf der Suche nach einem anonymen Anrufer.

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Die Leiterin der Beratungsstelle "Kind im Zentrum" (KIZ), Sigrid Richter-Unger.
Die Leiterin der Beratungsstelle "Kind im Zentrum" (KIZ), Sigrid Richter-Unger.Foto: dpa

Die Charité geht im Umgang mit aktuellen Missbrauchsvorwürfen in die Offensive. Der Vorstandsvorsitzende der Universitätsklinik Karl Max Einhäupl kündigte an, neue Pfleger künftig besser zu überprüfen. „Wir werden von Mitarbeitern in sensiblen Bereichen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangen“, sagte er am Sonnabend. Darin sind auch geringe Straftaten aufgeführt. Bislang reichte als Einstellungsvoraussetzung die weniger umfassende Version des Zeugnisses.

In anderen Branchen, in denen mit Jugendlichen gearbeitet wird, ist es längst üblich, das erweiterte Führungszeugnis vorzulegen, sagte die Leiterin der Beratungsstelle „Kind im Zentrum“ (KIZ), Sigrid Richter-Unger, dem Tagesspiegel. Sie gehört dem Expertenteam an, das die Charité einberufen hat, um die Ursachen der Missbrauchsfälle an der Klinik zu untersuchen und daraus Konsequenzen zu ziehen.

An diesem Montag trifft sich die Gruppe zum ersten Mal. Neben dem Führungszeugnis sollen auch andere strukturelle Änderungen diskutiert werden, sagte Richter-Unger. So sollten bestimmte Handlungen an Patienten nur im Beisein anderer Pfleger vorgenommen werden. Vor allem gehe es aber darum, die Kommunikation unter Klinikmitarbeitern zu verbessern und offener über Probleme und Auffälligkeiten zu sprechen.

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Hintergrund ist der vergangene Woche bekannt gewordene Vorwurf gegen einen Pfleger, er habe eine 16-jährige Patientin missbraucht und sei bereits früher wegen Zudringlichkeiten aufgefallen. In dem Zusammenhang war die Informationspolitik der Charité als zu zurückhaltend kritisiert worden. Am Samstagabend bestätigte die Pressestelle der Klinik Zeitungsberichte, nach denen Charité-Chef Einhäupl deswegen jetzt angekündigt habe, er wolle einen „Kommunikationsmanager“ an der Spitze der Klinik einsetzen.

In mehreren Zeitungen veröffentlichte die Klinikleitung am Sonnabend Anzeigen, mit denen Telefonnummern für Eltern, Angehörige oder Mitarbeiter bekannt gemacht wurden. Zusätzlich zu dem allgemeinen Aufruf appelliert die Charité an einen bislang unbekannten Anrufer, sich erneut zu melden. Der Mann hatte vergangene Woche per Telefon einen anonymen Hinweis zum Thema Missbrauch gegeben, den die Charité so ernst nimmt, dass man weitere Informationen von ihm erfragen möchte. „Wir hoffen, der Hinweisgeber meldet sich erneut“, sagte Kliniksprecherin Manuela Zingl am Sonnabend.

Charité-Hotline: 450 550 500

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