Zukunft der Sportstadt Berlin : Nach Olympia - wohin will die Sportstadt Berlin?

Berlin hat ein starkes Profil als Sportstadt. Die Olympia-Bewerbung aber ist gescheitert. Ein Konzept legt dar, wie es weitergehen soll. Ein paar Sportler müssen um ihre Gelder bangen.

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Volleyball-Länderspiel in der Schmelinghalle. Top-Ereignisse gehören zur Sportstadt.
Volleyball-Länderspiel in der Schmelinghalle. Top-Ereignisse gehören zur Sportstadt.Foto: imago/Eibner

Rockmusik dröhnte aus den Boxen der Schmeling-Halle, sie vermischte sich mit Trommelschlägen und wilden Anfeuerungsrufen. Die Volleyball-Olympiaqualifikation in der Schmeling-Halle vor wenigen Tagen war eine bunte, ausgelassene Party, und weil auch die polnische Nationalmannschaft spielte, saßen tausende polnische Fans auf den Tribünen.

Solche Szenen gefallen Andreas Statzkowski, Berlins Sport-Staatssekretär. Die Olympia-Qualifikation ist für ihn ein Beispiel dafür, wie sich Berlin als Sportstadt profiliert. Deshalb hat er es am Freitag im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses auch gleich angeführt. Den Abgeordneten legte er sein Konzept „Sport in Berlin – Perspektiven der Sportmetropole 2024“ vor. Thema also: Wie entwickelt sich die selbst ernannte Sportstadt? Und welche Schlüsse sind aus der gescheiterten Olympia-Bewerbung zu ziehen? Die Pleite gegen Hamburg machte neue Überlegungen nötig – in Brandenburg wie in Berlin, wo auch Olympia-Wettbewerbe hätten stattfinden sollen.

Doch die Konzeption für Berlin besteht vor allem aus allgemeingültigen Sätzen, aus strategischen Zielen, aus grundsätzlichen Überlegungen. Berlin setze, zum Beispiel, auf die Vielfalt von Veranstaltungen. Neben traditionellen Sport-Events gehe es auch um einmalige Highlights wie die Leichtathletik-Europameisterschaft 2018, aber auch um Spitzen-Jugend- und Seniorenmeisterschaften.

Sport soll auch den Wirtschaftsstandort stärken

Weiterer Punkt: Eine Sportveranstaltung soll auch ein wirtschaftlicher Faktor sein. „Welchen Nutzen bringt ein Ereignis der Stadt?“ Solche Fragen werden stark berücksichtigt. Davon hänge auch ab, ob eine Veranstaltung finanziell unterstützt werde. „Es kann sein, dass man beschließt, eine Veranstaltung gar nicht mehr zu fördern, wenn sich alles nicht richtig darstellt“, sagte Statzkowski.

Stadtrendite heißt in diesem Punkt das Zauberwort. Allerdings konkretisierte Statzkowski diesen Begriff erst nach einigen Nachfragen. Im Grunde genommen geht es um das Verhältnis zwischen Aufwand und Nutzen für die Stadt. Statzkowski suchte ein Beispiel und fand die Formel 1. Ein Rennen der High-Tech-Boliden auf einem Stadtkurs würde zwar viele Fans anlocken und wäre ein Tourismusfaktor, andererseits wäre die Umweltbelastung wohl zu groß. Also würde die Verwaltung ein solches Rennen ablehnen.

Berlin ohne Olympia: Auf der Suche nach einer Idee
Die Stärke und Einzigartigkeit der Stadt Berlin liegt für mich vor allem in ihrer Offenheit und in den vielen Möglichkeiten, sich in ihr zu suchen und zu finden. Ganz egal, woher deine Eltern stammen, wen du liebst oder ob du nur mit lila Fell-Hut aus dem Haus gehst – wenn sich Berlin weiterhin treu bleibt, kann es sich ganz natürlich von innen nach außen zu einer Stadt entwickeln, in der Vielseitigkeit und ein Miteinander selbstverständlich sind. Lary, Popsängerin
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18.03.2015 17:45Die Stärke und Einzigartigkeit der Stadt Berlin liegt für mich vor allem in ihrer Offenheit und in den vielen Möglichkeiten, sich...

Klar ist aber, dass der Sport als Lockmittel für Touristen eingesetzt werden soll. Immerhin wird mit dem Sport ein jährlicher Umsatz von einer Milliarde Euro gemacht, 20 000 Menschen sind im Sportbereich beschäftigt. Auch die Zusammenarbeit von Kitas und Schulen mit Vereinen soll intensiviert werden, zudem ist geplant, den Breitensport stärker zu fördern.

Alleinstellungsmerkmal beim Leistungssport

Beim Leistungssport besitzt Berlin ein Alleinstellungsmerkmal. 23 Schwerpunktsportarten werden gefördert, einmalig in Deutschland. Aber in Zukunft, so sieht es das Konzept vor, „muss man darauf achten, wo eine Konzentration der Sportarten sinnvoll ist“. Sportstätten sollen saniert werden, Freizeitsport in Parks soll gefördert werden, eine Sammlung von Absichtserklärungen, aber Details fehlen. Ganz bewusst, sagte Statzkowski, es sei ja auch nur ein Positionspapier, „keine Doktorarbeit“.

Diverse Abgeordnete hätten’s trotzdem gern genauer gehabt. Anja Schillhaneck (Grüne) vermisste „konkrete Maßnahmen zur Förderung des Frauensports“, ihr war vieles „zu nebulös“. Zum Beispiel hätte sie gerne gewusst, welche Sportarten denn nun gefördert würden. Auch fehlte ihr die Information, welche Sportarten in Sport-Eliteschulen gefördert werden. Peter Trapp (CDU) wollte wissen, ob man mehr Vereine für Schwimmunterricht einbinden könnte.

Aber Statzkowski konnte und wollte so gut wie keine konkreten Antworten liefern. Was er hier vorlege, sei ein Positionspapier, mehr nicht. Konkret wurde er nur in wenigen Punkten, beim Volleyball zum Beispiel. Die deutsche Nationalmannschaft habe beim Qualifikationsturnier „herausragend gespielt“. Trotzdem ist sie ausgeschieden. Im entscheidenden Spiel unterlag sie – Polen.

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