Berlin : Zukunft für Flughafen Tempelhof gesucht Freifläche, Kongresszentrum, Behördensitz ?

Experten berieten über neue Nutzung des Airports

Klaus Kurpjuweit

Was wird aus dem Flughafen Tempelhof? Vor gut 70 Jahren war es für die Nationalsozialisten klar: Noch während der Zentralflughafen im Bau war, beschlossen Hitler und sein Chefplaner für Berlin, Albert Speer, den Flughafen stillzulegen. Das Gelände sollte in einen Vergnügungspark nach dem Muster des Kopenhagener Tivoli umgewandelt werden, wie Speer in seinen „Erinnerungen“ schreibt. Der Tempelhofer Flughafen lag ihrer Ansicht nach zu sehr im Zentrum der von Hitler und Speer geplanten neuen Stadtentwicklung. Statt dessen sollten an den vier Endpunkten des neuen Autobahnachsenkreuzes Gelände für je einen Verkehrsflughafen reserviert werden.

Heute weiß man nicht im Ansatz, was aus dem riesigen Gebäudekomplex werden soll, wenn der Flugbetrieb wie vorgesehen Ende Oktober 2008 eingestellt wird. Immerhin einige Ideen gibt es für das Flughafengelände, das größer als der Tiergarten ist.

Gestern fand dazu eine von der Senatsstadtentwicklungsverwaltung initiierte Fachkonferenz statt, auf der Experten aus mehreren Ländern unter anderem berichteten, wie Paris, Wien oder Chicago große innerstädtische Freiflächen anders genutzt haben. Ob die Konzepte auf Berlin übertragbar sind, ist jedoch fraglich. Klar war für alle Beteiligten jedoch, dass es gut 20 Jahre dauern könnte, bis neue Ideen, so man sie denn hat, umgesetzt sein werden. Zwischennutzungen seien deshalb unbedingt erforderlich.

Als zum Beispiel in München nach jahrelanger Planung klar war, das der innerstädtische Flughafen Riem aufgegeben und durch einen Neubau 40 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ersetzt wird, konnte an der Isar das Flughafengelände zum Messestandort werden; ergänzt durch Wohnbauten und Grünanlagen. Erst 2013 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Erst gar nicht diskutiert wurde gestern über die Zukunft des riesigen Gebäudes. Der Plan, dort ein Gesundheits- und Kongresszentrum einzurichten, scheitert wohl daran, dass der Flughafen nach dem Willen des Senats auch nicht weiter für Geschäfts- und Privatmaschinen genutzt werden soll. Diese Bedingung haben die amerikanischen Interessenten jedoch gestellt. Die Deutsche Bahn will in diesem Fall den Flughafen betreiben. Ihr Antrag wurde jedoch bereits von der Luftfahrtbehörde abgelehnt. Nun will die Bahn vor dem Bundesverwaltungsgericht klären lassen, ob ein eingeschränkter Flugbetrieb in Tempelhof möglich ist, ohne den Ausbau in Schönefeld zu gefährden.

Ein Verkehrsflughafen in bisheriger Form ist nach mehreren Rechtsgutachten nicht mehr möglich. Das gestartete Volksbegehren mit diesem Ziel läuft nach Ansicht der meisten Juristen ins Leere; einige, wie der ehemalige Umweltstaatssekretär Klaus Martin Groth (Grüne), sprechen sogar von „Volksverdummung“.

Ob statt dessen Bundesbehörden in Tempelhof einziehen, ist auch zweifelhaft. Das Innenministerium lehnt einen Umzug vor allem aus Sicherheitsgründen ab. Unter anderem könnten Tunnelanlagen, die die Gebäudekomplexe verbinden, nicht geschlossen werden. Ein im Auftrag des Bundes erstelltes Gutachten kommt zudem, wie berichtet, zu dem Schluss, Tempelhof sei für das Innenministerium nicht repräsentativ genug.

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