Zukunft von Rot-Rot : Wie macht Wowereit weiter?

Die Bundes-SPD ist in einer Krise, und die Berliner Koalition regiert unauffällig vor sich hin. Für Ärger ist Thilo Sarrazin zuständig, für die Erfolge Klaus Wowereit. Doch jetzt steht er vor wichtigen Entscheidungen.

Werner van Bebber
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Kann schweigen, wie kaum ein anderer. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. -Foto: ddp

Es gibt bessere Redner als Klaus Wowereit, aber schweigen kann er wie kaum ein anderer. Das merken seine Parteifreunde immer dann, wenn der Regierende Personalfragen zu beantworten hat. Dann spüren fast alle, die im Berliner Politbetrieb eng mit ihm zu tun haben, dass es Dinge gibt, über die Wowereit nicht spricht. Oder nur mit einem – mit dem SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller. Kaum jemand dürfte geahnt haben, dass Wowereit Jürgen Zöllner zum Bildungssenator machen würde. Die Berufung von Gisela von der Aue von Brandenburg nach Berlin verlief geräuschlos und gerüchtefrei. Als Wowereit einen neuen Senatssprecher suchte, wurde der Name Richard Meng erst bekannt, als der Regierende das so wollte. Und was die Pläne angeht, die der Wowereit mit sich selbst hat – da ist der Kreis der Mitwisser noch kleiner.

Am Montag will er zurück sein im Berliner Betrieb. Bei Wowereit, dem Vormann der momentan einzigen rot-roten Koalition, bedeutet „Berliner Betrieb“ immer auch ein bisschen Bundespolitik. Nach allem, was man so hört, wird sich Wowereit auch Gedanken über seine Senatoren machen.

Dass sich das politisch interessierte Berlin nun seit einiger Zeit den Kopf des Regierenden über den Nachfolge von Thilo Sarrazin zerbricht, hat mehrere Gründe. Der erste liegt in Sarrazins eher zu- als abnehmender Freude an der Provokation. Bestünde der Verdacht, Sarrazin wolle mit 63 Jahren zum Chefideologen der SPD werden, müsste man annehmen, er führe einen Feldzug gegen alles, was politisch korrekt und unter Berliner Genossen ideell angesagt ist. Tatsächlich hoffen viele in der SPD, dass der gnadenlose Senator im kommenden Jahr zur Bundesbank wechselt.

Und dann? Hier beginnen die Überlegungen über die Karriere des Klaus Wowereit. Dass er sich sich selbst durchaus im Kanzleramt vorstellen kann, glauben viele in seiner Umgebung, nicht bloß in der SPD. Wowereit ist zwar niemandem als politischer Weitdenker aufgefallen, aber das gilt auch für den ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder: Der wurde erst als Kanzler zum Strategen. Was immer Wowereit vorhat – er kann die dringender werdende Senatsumbildung nutzen, um Rot-Rot II ein bisschen auf Tempo zu bringen. Oder er plant, in sich hineinlächelnd, mit einem Personal, dem er in drei oder fünf Jahren sein Rotes Rathaus ruhigen Gewissens überlassen kann. Zugegeben – das alles sind unautorisierte Planspielchen. Aber Wowereit wirkt eben wie einer, der politisch gern zockt.

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